Kaiser Maximilian J.; Königtum und Reichsstände. 48
Zunächst mußte zu einer Liquidation der italienischen
Politik geschritten werden. Das war unter den weiterhin
erfolgenden Verschiebungen des gegenseitigen Verhältnisses der
großen Mächte nicht leicht. Der Papst lebte mehr und mehr
in dem Gedanken seiner heiligen Liga; die italienischen Mächte
sollten die Vertreibung der Franzosen aus Italien in die Hand
nehmen. Doch da sie hierzu nicht stark und geschlossen genug
waren, so bedurfte es der Beihülfe auch Englands, der Schweiz
und — des Kaisers. Sollte aber der Kaiser in dieser Kombination
den anderen Mächten gleichstehend auftreten, eine Voraussetzung,
unter der allein die Führung des ganzen Bundes dem Papste
verbleiben konnte, so galt es, zunächst den Kaiser so weit zu
schwächen, daß er sich fügsam einordnete. Julius II. suchte
das Ziel zu erreichen, indem er den Kaiser diplomatisch voll⸗
kommen isolierte und seinen noch immer bestehenden Zwist mit
Venedig zu einer dauernden, niemals zu schließenden Wunde
zu machen bestrebt war.
Demgegenüber hat sich der Kaiser wohl auf Frankreich
stützen wollen. Der abenteuerliche Gedanke tauchte auf, daß
König Ludwig ihn nach Rom führen solle: dann wolle man
die Frage der Kirchenreform aufwerfen und gemeinsam ein
Konzil berufen, ja Max hat wiederholt mit dem Gedanken,
selbst Papst zu werden, gespielt. Phantastische und verzweifelte
Einfälle, welche die kluge Margaretha, die Regentin der Nieder⸗
lande, mit stillem Grauen auftauchen sah. In Wahrheit hatten
sie nur zur Folge, daß der Kaiser in immer arößere Abhängig⸗
keit von Frankreich geriet.
Hierin brachte nun allerdings das Jahr 1513 einen be—
trächtlichen Umschwung. Die Franzosen, jetzt nahezu die Herren
Oberitaliens, wurden in ihrem Bestreben nach vollster Be⸗
gründung einer italienischen Macht den Eidgenossen verdächtig.
Die Schweiz schützte deshalb den von ihr vornehmlich ein—
gesetzten Herzog von Mailand, und ihre Heere schlugen die
Franzosen bei Rovara (6. Juni 1518). Der päpstlichen Politik
war dies ein hoch willkommenes Ereignis. Die heilige Liga,