Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

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Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
recht, wenn man seit dem Kölner Reichstag des Jahres 1512 
das Mittel der Gesetzgebung gegen ihre Auswüchse anwandte. 
Aber nach Lage der Dinge erschloß ein solches Vorgehen, zumal 
da es schließlich in seinen zunächst erwarteten Wirkungen ohne 
Ergebnis blieb, doch zugleich wieder die kaum überbrückten 
Spaltungen zwischen Fürsten und Städten. Und der Kaiser 
zeigte sich völlig unfähig, diese von Jahr zu Jahr zunehmenden 
Gegensätze zu versöhnen oder zu unterdrücken. 
Unter dem großen Gegensatze zwischen den Fürsten und den 
Städten aber liefen die nicht minder großen Spannungen des 
platten Landes zwischen Adel und Bauern her. Namentlich 
über den Adel ward da geklagt; in der That erging er sich in 
einem immer roheren und immer weniger bestraften Fehdewesen, 
das völlig zum Raub entartete. Es wäre der völlige Bankerutt 
der Reichsgewalt gewesen, hätte sie gegen dies Unwesen nicht 
irgendwie Abwehr getroffen. Kaiser Max legte darum dem 
Mainzer Reichstag des Jahres 1517 Vorschläge zur Reorgani— 
sation des Adels vor, zunächst der Reichsritterschaft, die besonders 
argem Ruine verfallen war. Allein seine gute Absicht scheiterte 
vollständig. Die Stände erklärten mehr oder minder verblümt, 
daß sie von der Thätigkeit des Kaisers nichts mehr erwarteten, 
folglich auch nicht die Absicht hätten, auf sie einzugehen; nur 
eine völlige Umwälzung schien ihnen noch weiter führen zu 
können: der sahen sie unthätig und pessimistisch entgegen. Allen 
Eifer aber, den sie etwa noch hatten, wandten sie an die 
hämische Kritik der geringfügigen, bisher erreichten Ergebnisse der 
Reichsreform: der Landfriede habe die Unsicherheit vermehrt, 
das Reichskammergericht sei eine elende Einrichtung. Und diese 
Stimmung war nicht vorübergehend; auf dem Augsburger 
Reichstag des Jahres 1518, dem letzten Maximilians, kehrten 
die gleichen Klagen wieder. 
So muß diese Stimmung als Endergebnis der Regierung 
Kaiser Maximilians bezeichnet werden. Und mit welchen Hoff— 
nungen hatte man im Jahre 1486 den jungen Herrscher begrüßt! 
Frisch, offen, allem Großen zugänglich, deutsch gesinnt, hatte er, 
von neuem ein Herrscher der ganzen Nation, die schwere Schuld
	        
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