Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

62 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel. 
Pfeffer, Näglein, Zimmetrohr und anderes, beratschlagten 
gemeinsam den Preis mit allen Kaufleuten des Reichs und 
verkauften daheim nach dieser Verabredung. Das System, in 
dieser Zeit noch in den Anfängen, ward dann im Laufe der 
nächsten Generation zu einer wahren Plage der Nation, zur 
Fundgrube unerhörten Reichtums für den Großkaufmann; nicht 
bloß ausländische Waren, auch einheimische Kurzwaren, Me— 
talle, Leder, Unschlitt, ja sogar Landesprodukte wurden ihm 
unterworfen. Wenn einige Kaufleute, so schildert Luther die 
Ringbildung für seine Zeit, allein noch von einer Ware haben 
und keine Beischaffung solcher in nächster Zeit mehr zu erwarten 
steht, so steigern sie die Preise ganz unbillig, oder sie kaufen 
gar alle Waren einer Gattung zu diesem Zwecke auf, oder ver—⸗ 
abreden sich untereinander zu einem höheren Preis und lassen 
denen, die sich an der Verabredung nicht beteiligen, ihre Ware 
durch fremde abkaufen; kommen sie selbst hierdurch nicht zum 
Ziel, so geben sie plötzlich die Ware so billig, daß die anderen 
kleineren Kaufleute geschlagen sind und sie doch Herren der Lage 
bleiben. Luther nennt ein solches Verfahren eitel Monopolia, 
die schon das heidnische Gesetz verbiete. Denn sie haben, fährt 
er fort, alle Ware in den Händen und machen damit, was 
sie wollen, und treiben ohne Scheu die erwähnten Stücke, daß 
sie steigern und niedrigen nach ihrem Gefallen, und drücken und 
verderben die geringeren Kaufleute, gleich wie die Hechte die 
kleinen Fische im Wasser, als wären sie Herren über Gottes 
Kreatur und frei von allem Gesetz des Glaubens und der Liebe. 
Es ist eine Beurteilung, die auch von unserm sittlichen 
Standpunkte aus noch durchaus zutrifft, und die zugleich zeigt, 
in wie vollkommener Weise sich der kapitalistische Großhandel 
des 15. und 16. Jahrhunderts in Gegensatz gestellt hatte zu 
den sozialistischen Idealen der städtischen Wirtschaft des 18. 
und 14. Jahrhunderts. Wo war hier noch die Rede von dem 
Gedanken, jeder Bürger solle womöglich gleiche Nahrung mit 
seinen Mitbürgern haben oder wenigstens niemals von seiner 
Nahrung verdrungen werden? Wo war der genossenschaftliche 
Charakter des alten Bürgertums geblieben? Das individuga—
	        
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