Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

64 Vierzehntes Buch. Zweites KLapitel. 
Meister klein zu halten; sie sprachen das Verbot kapitalistischer 
Association einzelner Meister aus, sodaß die Ringbildung im 
Handwerk erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts dauernd 
gedeihen konnte; sie hintertrieben jeden übermäßigen Wettbewerb 
in der Beschaffung der Rohstoffe, in der Durchführung der 
Arbeit und im Vertrieb der Erzeugnisse des Handwerks. 
Vergebens. Die ungleichmäßige Kapitalbildung fand gleich— 
wohl auch im Handwerk Eingang. Bereits im 14. Jahrhundert 
finden sich vielfach reiche Handwerker; sie werden noch gezwungen, 
ihr Kapital in Hausrenten anzulegen oder aus den Zuünften 
heraus und hinüber zu treten zu den Vereinigungen der alten 
patrizischen Geschlechter. Allein früh schon durchbrachen reiche 
Zunftbrüder diese Sicherheitsmaßregeln, in Straßburg z. B. 
schon ums Jahr 1368; und nun bildete sich, vielfach wenigstens, 
ein wohlhabender Kreis von Handwerkern. Es sind die mate— 
riellen Voraussetzungen, denen wir die Blüte unseres Kunst— 
handwerks im 15. Jahrhundert und die Entwicklung einer 
großen Kunst seit spätestens etwa 1450 verdanken. Wirtschaftlich 
und sozial aber führten diese Anfänge weiter. Bald gab es 
Zünfte, in denen überhanpt nur noch Kapitalisten zugelassen 
wurden; ein kastenartiger Abschluß erfolgte. Früh trat er ein, 
wo Werkzeug und sonstige geschäftliche Voraussetzungen von 
vornherein kostspielig waren, wie bei Fischern, Bäckern, Metzgern, 
aber auch sonst ließ er nicht auf sich warten. Nun war die 
Zahl der Meisterstellen eine begrenzte; nun begann man die 
Meisterkinder als unfehlbare künftige Meister anzusehen und 
von vornherein zu bevorzugen; nun war es leicht, Produktions— 
ringe für Steigerung der Warenpreise zu bilden; in Nürnberg 
mußten schließlich städtische Brauereien begründet werden, um 
die Bürger von der Preisschraubung der Brauerzunft zu be— 
freien. Aber schon Rulman Merswin klagt in seinem Buche 
von den neun Felsen (vor 1882) über die Preisübervorteilung 
der Handwerker, und die Reformation Kaiser Sigmunds aus 
dem Jahre 14388 tritt aus dem gleichen wie anderen Gründen 
— 
Vor allem aber war die kapitalistische Umbildung der
	        
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