36 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
schaft auf das platte Land fast nur mittelbarer Art sein. Und
auf diesem Gebiete waren sie zumeist verderblich.
Der Adel vom Lande sah den zunehmenden Reichtum des
städtischen Patriziats, ja der städtischen Zünfte. In einer Zeit,
in der aristokratische Geltung noch fast ausschließlich auf höherer
materieller Lebenshaltung beruhte, mußte er alles daran wenden,
es dem Bürger gleich zu thun. Woher aber die Mittel nehmen?
Die Grundherrschaften waren verfallen; der Ritter verspürte
keine Lust, ländlicher Unternehmer zu werden; nicht häufig er—
höhte er seine Einnahmen durch Schafhaltung und Wollverkauf
oder durch Teilnahme an bürgerlichen kaufmännischen Geschäften;
ausgesprochene Getreide-, Holz⸗ und Viehhändler sind erst die
Rittergutsbesitzer des 16. Jahrhunderts in den östlichen Kolonial—
gebieten geworden. So war die erste Empfindung beim Adel
die des ohnmächtigen Neides auf die reichen Bürger, die ver—
hätschelten Kinder der geldwirtschaftlichen Entwicklung. Mit
Vorliebe nannte sie der Adel Bauern:
die paurn, die wellen uns fressen,
den adel wolbekant; —
das well gott nit verhengen
wir wellens fürbass sprengen,
recht wie die sew besengen.
Und grausam empfand er den Abstand der alten natural—
wirtschaftlichen Zeiten und der neuen Veriode der Bürger:
Kaufleut seind eédel worden.
das sicht man taglich wol;
man soll sie aussher kKlauben
auss iren füchsinen schauben
mit prennen und mit rauben
die selbige kaufleut gut,
das schafft ir übermüt.
Aber er durfte sich nicht schlagen lassen. Er mußte es
dem Bürger an Luxus zuvorthun. Stutzertum und Brutalität