Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Wirtschaftliche und soziale Wandlungen vom 14. zum 16. Jahrh. 85 
der königlichen Centralgewalt von Anfang an fast allein und 
schließlich in völlig bewußter Ausschließlichkeit nur in den 
Städten entwickelt hattei. Die Folge war, daß dem Lande nur 
die Schattenseiten, fast gar nicht die Lichtseiten der geldwirt⸗ 
schaftlichen Revolution wahrnehmbar wurden: es war keine Rede 
von einer gesunden sozialen und wirtschaftlichen Endosmose beider 
Teile, welche die allzurasche Entwicklung in den Städten und 
das Zurückbleiben auf dem Lande in gleicher Weise verhindert 
haben würde. 
Schon im 183. Jahrhundert gelang es den Bürgern, ihre 
eigenartige Produktion streng auf das Weichbild der Stadt zu 
begrenzen; namentlich war das da der Fall, wo die landes⸗ 
fürstliche und die kaiserliche Gewalt gering waren, in Schwaben, 
am Oberrhein, in Flandern: Gent hat schon im Jahre 1297 
das Verbot durchgesetzt, daß im Umkreis von drei Meilen um 
die Stadt Tuch fabriziert werde. Seit Ende des 14. Jahr— 
hunderts erfolgte dann der personale Abschluß der Städte vom 
platten Lande; die Sitte, Ausbürger zu gestatten, wurde ab— 
geschafft. Später verfiel auch das Pfahlbürgertum; schon die 
Gesetzgebung Karls IV. war in diesem Punkte liberaler, als 
die städtische Paris; in den dreißiger Jahren des 15. Jahr⸗ 
hunderts sprach sich dann König Sigmund gegen die ganze 
Einrichtung aus und verbot sogar den „armfreien“ Leuten des 
Landgerichts Schwaben ganz allgemein, Bürger zu werden. 
Damit war der hermetische Verschluß der Städte gegen das 
Land, soweit nur thunlich, durchgeführt, und er blieb bestehen 
bis tief in spätere Zeiten; im Jahre 1524 verlangen z. B. 
die Bürger Münsters von weltlicher wie geistlicher Obrigkeit, 
zu verbieten, daß in den Dörfern im Umkreis von zwei Meilen 
Handwerk getrieben, ja Bier gebraut und Brot gebacken werde 
zum Nachteil der Bürger; und 1531 sucht die Tübinger 
Juristenfakultät die Ausschließung des platten Landes von den 
Gewerben als vom römischen Recht erfordert zu erweisen. 
So konnten die Einwirkungen der städtischen Geldwirt— 
Vgl. Band III S. 28 ff.
	        
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