Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

322 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
sachsen, und unter seinem Einfluß auch Kurbrandenburg, auf 
die Seite des Kaisers. Hatten sie vorher schon veranlaßt, daß 
die Frage nach Aufhebung des geistlichen Vorbehaltes zu Boden 
fiel, so erklärten sie jetzt, noch viel weitergehend, sie würden 
der Kurpfalz nimmermehr in der Politik der Steuerverweigerung 
für den Türkenkrieg folgen, dessen Schäden sie freilich am 
ehesten treffen konnten; und schließlich zogen sie sogar den 
Antrag auf Anerkennung der Deklaration ihrerseits zurück. 
Damit fiel die pfälzische Aktion; klar lag jetzt der Bruch 
in der inneren Reichspolitik zwischen Pfalz und Sachsen, 
zwischen westlichem und östlichem Protestantismus vor Augen. 
Es war kurze Zeit vor dem Tode Kaiser Maximilians II. 
(12. Oktober 1576), dem in Rudolf II. ein gehorsamer Sohn 
der Kurie, ganz ein Werkzeug göttlich-katholischer Vorsehung 
zu folgen schien; vergnügt kehrte Morone nach Italien heim 
zu den Palästen des Papstes. 
Inzwischen aber war auch auf dem Gebiete der aus— 
wärtigen Politik der Gegensatz unter den Vrotestanten zu Tage 
getreten. 
Die auswärtigen Beziehungen der Protestanten wiesen aus 
der Zeit Karls V. her vor allem auf Frankreich: die franzö— 
sischen Herrscher waren als Gegner des spanischen Universalis— 
mus naturgemäß Freunde der deutschen Geisteserhebung gewesen. 
Inzwischen aber war nun in Frankreich selbst eine mächtige 
protestantische Bewegung erwachsen. Da war es angemessen, 
daß die deutschen Protestanten vor allem mit ihr in Verbindung 
traten. In der That fühlten die evangelischen Stände 
wenigstens des Westens das Solidarische der gegenseitigen Ent⸗ 
wicklung; im Jahre 1562, nach Ausbruch des ersten französischen 
Religionskrieges, brachten sie 100 000 Gulden zur Unterstützung 
Colignys und seiner Partei auf. Allein da die französische 
Kirche calvinischen Charakter hatte, so stellten sich intimere 
Beziehungen schließlich doch nur zur Kurpfalz ein. 
Außer der französischen Bewegung war weiter, und noch 
viel mehr, das Schicksal der Niederlande geeignet, die Augen 
der Protestanten aus dem engeren Kreise des Reiches auf sich
	        
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