Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 699 
hatte das alte Recht zu gunsten seines Bekenntnisses gebrochen; 
er war katholischer Parteigänger geworden, mochte er auch mit 
einer Ungiltigkeitserklärung der protestantischen Union wie der 
katholischen Liga im Jahre 1614 einen ohnmächtigen Versuch 
machen, seine Unparteilichkeit formell zu wahren. 
II. 
Inzwischen hatten aber auch in sterreich die Dinge einen 
höchst bedenklichen Gang genommen. 
Wir entsinnen uns, daß im Jahre 1608 Mathias auf 
Grund thätiger Beihilfe der ungarischen, österreichischen und 
mährischen Stände den Kaiser Rudolf zur Abtretung der 
Herrschaft über seine Länder mit Ausnahme Böhmens ge— 
zwungen hatte. Und parallel mit diesem Ereignis war die 
Begründung eines allgemeinen ständischen Bündnisses zu 
Sterbohol gelaufen, in dem sich die Stände namentlich auch 
zur Aufrechterhaltung ihres Protestantismus verpflichtet hatten!. 
Natürlich war die Folge dieser Zusammenhänge, daß 
nunmehr überall in habsburgischen Landen der Protestantismus 
sein Haupt wieder stolzer erhob; besonders in Niederösterreich 
hatte Mathias schwer mit der protestantisch-ständischen Oppo— 
sition unter der Führung des gewaltthätigen Erasmus von 
Tschernembl zu kämpfen. 
Weitaus am kühnsten aber traten die Protestanten doch 
in Böhmen auf. In der Not des Jahres 1608 hatte Rudolf 
ihnen Religionsfreiheit versprechen müssen; es lag in seinem 
krankhaften Wesen, daß er dies Versprechen bald darauf als 
nicht gegeben betrachtete. Das aber waren die protestantischen 
Stände nicht gewillt zu ertragen. Sie traten in Prag zu 
eigenmächtiger Tagung zusammen; sie organisierten den be— 
waffneten Widerstand; sie verbanden sich mit den schlesischen 
Ständen; sie wußten die Sympathien Kurfürst Christians von 
Sachsen, von jeher des Schützers der österreichischen Protestanten, 
S. oben S. 685.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.