thumbs: Nationalökonomie (1.1915)

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S 62. 
Die Zettelbankpolitik. 
v. ‚Philippovich, Die Bank von England im Dienste der Finanz-Verwaltung 
des Staates. Wien 1885, 
Lexzis, Handw. der Staatsw. Art. Banken. - 
Karl Helfferich, Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform. Leipzig 1898. 
"reie Noten. 
6mission. 
Zentralisation. 
Die Gefahren der Notenemission, wie sie durch den Mißbrauch 
von seiten der Banken und die Urteilslosigkeit des Publikums ent: 
stehen, haben schon früh die Staatsgewalt zum Eingreifen und zur 
Beschränkung der Notenemission geführt; insbesondere nach großen 
Krisen, die durch zu ausgedehnte Ausgabe von Noten herbeigeführt 
wurden, wie im Beginne des 18. Jahrhunderts in Frankreich unter 
John Law, 1837 in den Ver. Staaten, von wo sich die Krisis auch 
auf Europa übertrug. 
Zunächst versuchte man es mit der Freiheit der Notenausgabe. 
So war in England einzelnen Personen und Gesellschaften von 
nicht mehr als 6 Mitgliedern bis zum Jahre 1844 die Ausgabe von 
Noten gestattet; seit 1775 allerdings nicht unter einem Pfd. St., von 
1777—97 und dann wieder seit 1829 nicht unter 5 Pfd. St. GHeich- 
wohl hatte die Bank von England sich ein Uebergewicht über die 
übrigen Banken und einen maßgebenden Einfluß im Lande zu wahren 
vermocht. Aehnlich waren die Verhältnisse in Schottland. In den 
Ver. Staaten von Amerika war in mehreren Staaten gleichfalls 
die Notenausgabe völlig freigegeben, während in anderen einzelne 
Banken damit privilegiert waren. 
Die Unhaltbarkeit dieses Zustandes ist gegenwärtig allgemein 
anerkannt. Die Beschränkungen aber sind in sehr verschiedener 
Weise durchgeführt; entweder durch Aufstellung bestimmter Normativ- 
bestimmungen, unter welchen die Banken Noten ausgeben dürfen, oder 
durch Zentralisierung der Notenemission auf eine oder mehrere be- 
sonders privilegierte Banken, denen dann gleichfalls durch Gesetz 
statutarische Beschränkungen auferlegt. sind. Dieses letztere Ver- 
fahren gewinnt in der neueren Zeit immer mehr und mehr Boden und 
wird von der Wissenschaft immer allgemeiner als das Richtige aner- 
kannt. Es hat sich in Europa immer mehr eingebürgert, während 
die Vereinigten Staaten von Nordamerika noch an dem anderen Sy- 
steme, doch auch schon mit Beschränkung, festhalten. 
Die Zentralisierung auf eine einzige Bank ist in Frankreich 
und Oesterreich durchgeführt, während in Deutschland und 
England das sog. gemischte System herrscht, wo neben einer großen 
Zentralbank noch einzelne andere Notenbanken existieren. Doch ist 
in beiden Ländern das Uebergewicht der Hauptbank ein entscheidendes, 
und die Zentralisation nimmt fortdauernd zu. 
Für die Zentralisation ist vor allem anzuführen, daß nur große 
Zentralbanken, hinter denen der Staat mit seinen gewaltigen Mitteln 
steht, auch in Zeiten der wirtschaftlichen Krisen volle Sicherheit und 
der Geschäftswelt eine kräftige Stütze durch Gewährung ausgedehnter 
Darlehen verschaffen können. Die kleinen Privatbanken sind in 
solchen Zeiten besonders gefährdet und können daher nicht durch eine 
erweiterte Notenemission ein größeres Risiko auf sich nehmen. Sie 
versagen daher gerade in den Momenten, wo ihre Hilfe am meisten 
gebraucht wird, und die Notenemission die einzig mögliche Hilfe bietet.
	        
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