Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die darstellenden und die bildenden Künste. 247 
im Elsaß blühte es noch fort und hat sich hier gelegentlich bis 
auf unsere Zeiten durchgerettet. 
Für das nationale Drama aber war ein Fortschritt jetzt 
nur noch auf dem Gebiete des Fastnachtsspiels, des ernsten wie 
des possenhaften, zu erwarten. Das bedeutete aber, daß sein 
Schicksal an das Schicksal des Bügertums geknüpft war: denn 
nur dieses hatte bisher Posse und Drama in diesem Sinne 
gepflegt. Man muß sich die Folgen dieser Lage im einzelnen 
vergegenwärtigen: kein Hof, der das Theater begünstigte, keine 
Hauptstadt, kein ständiges, sondern nur ein Fastnachtspublikum, 
keine Truppe von Schauspielern, die technisch durchgebildet ge⸗ 
wesen wären und der Kunst bühnengemäßer Darstellung berufs⸗ 
mäßig gedient hätten, sondern im wesentlichen nur Liebhaber⸗ 
bühnen, endlich kein sozial fortschreitender, sondern ein ver— 
fallender Stand als Träger der ganzen Bewegung. Wo sollten 
umter diesen Umständen für das Schuldrama, vor allem das 
weitaus am höchsten entwickelte lateinische, die Angriffspunkte 
zu einem stärkeren Einfluß auf das volksmäßige Drama gegeben 
gewesen sein? Es ist für die Entfaltung des deutschen Schau⸗ 
spiels des 16. Jahrhunderts nahezu folgenlos geblieben; und 
die nationale Entwicklung schritt der Hauptsache nach auf nur 
eigenen Füßen vorwärts. 
Da hatte nun unter den Städten, in denen das alte 
Fastnachtspiel blühte, schon im 18. Jahrhundert Nürnberg 
hervorgeragt: hier hatte mit das regste geistige Leben ge— 
herrscht; nur von Nürnberg her sind im 15. Jahrhundert die 
Namen dramatischer Dichter weiterhin bekannt geworden. In 
Nuürnberg aber pflegte man vor aͤllem die Posse: sehr be— 
greiflich bei dem lebenslustigen Frankencharakter der Bürger⸗ 
schaft. 
Aus Nürnberg ist denn auch der bedeutendste dramatische 
Dichter des 16. Jahrhunderts hervorgegangen: Hans Sachs. 
Sachs hat der Hauptsache nach mit römischen Tragödien, 
Lucretia 1527, Virginia 1530, begonnen. Vornehmlich wirksam 
aber wurde seine Kunst erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts: 
zwischen 1550 und 1560 hat er allein über anderthalb hundert
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.