Neunzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Dresden wissenschaftliche Gesellschaften zu begründen!. Es
waren Leibnizens letzte große Errungenschaften. Nach allen
Seiten tätig, hatte er doch grade von der Stelle aus, wo er
am meisten gewirkt hatte, von Hannover und dem hannoversch⸗
englischen Königshause her, schwere Zurücksetzungen zu erfahren, die
teilweis mit dem unglückseligen Prioritätsstreit zusammenhingen,
den er mit Newton wegen der Erfindung der Differential⸗
rechnung führte; und äußeren Ehrungen nicht unzugänglich, daher
durch deren Vorenthaltung schwer gekränkt, ist er am 14. No—
dember 1716 zu Hannover gestorben.
Auf dem Gebiete der Philosophie verdankt das Denken
Leibhnizens, wie schon ausgeführt, seinen Ursprung dem Be—
dürfnisse, sich in den großen Gegensätzen der herrschenden
metaphysischen Systeme zurechtzufinden und durch eine neue
Hypothese wo möglich deren Widerspruch zugunsten einer höheren
Einheit zu beseitigen. Dementsprechend geht Leibniz von vorn⸗
herein nicht auf neue oder gesichertere Methoden der Erkenntnis
aus, sondern begnügt sich zunächst und im wesentlichen mit der
Anwendung der bekannten.
Auf dem Gebiete der Metaphysik aber sprang zu seiner
Zeit besonders jener soeben geschilderte Gegensatz zwischen
Materialismus und Spiritualismus und zwischen Empirismus
and Rationalismus in die Augen: von der rationalistischen
Philosophie des Descartes war man einerseits zur Verflüch—
tigung aller Wirkungsfähigkeit der Substanz in Gott fort⸗
geschritten, während vom Empirismus und von der Erweiterung
der mechanischen Naturerklärung her anderseits die Gefahr einer
oollständigen Entgottung der Materie drohte.
Beiden Anschauungen gegenüber griff Leibniz auf einen
oermittelnden Gedanken, auf den aristotelischen Begriff der
Entelechie zurück; wie er sich selbst als eine Persönlichkeit von
unvergleichlicher Lebendigkeit fühlte, so erschien ihm die Welt
in ihren unendlich verschiedenartigen Wesensgründen als ein
Vgl. dazu oben S. 858 ff.