Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Aufklärung und Pietismus. 
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bunkte der mittlerweile entwickelten Naturwissenschaften die 
Kritik der Wunder hinzukam und damit die Kritik vornehmlich 
des Pentateuchs und der Evangelien in dieser Richtung ein— 
setzte. Zuerst aber wurden diese Hilfsmittel von dem fort⸗— 
geschrittenen italienischen und südfranzösischen Protestantismus 
aufgenommen: auf diesem Grunde entstand der unstet von 
Ztalien nach Genf und Graubünden flüchtende, schließlich in 
Polen Ruhe findende Socinianismus. Erst etwas später er— 
langte daun dieselbe Auffassung in den Niederlanden bei den 
Arminianern Heimatsrecht, vor allem bei Hugo Grotius, dessen 
Apologie des Christentums sich ganz in diesen Geleisen bewegt. 
—0 Zusammenhang der 
Dogmen auch der evangelischen Kirchen angegriffen und grade 
in seinen zentralen Punkten, der Opfer- und Rechtfertigungs⸗ 
lehre zum Beispiel, aufgelöst. 
So konnte es denn nicht ausbleiben, daß auch diese Vor⸗ 
zänge wiederum, daß mithin die ganze Entwicklung der pro⸗— 
eestantischen Bibelauffassung und damit der protestantischen 
Theologie überhaupt im Grunde doch dem universellen Deismus 
und der Ausbildung einer Disposition auf die Vorstellung einer 
natürlichen Religion hin Vorschub leisteten. In der Tat war 
dieser Gedankenzusammenhang wenigstens in den Gegenden des 
reformierten Bekenntnisses seit dem Ende des 16. Jahrhunderts 
ingeregt; und er erhielt vor allem in den Niederlanden im 
Sinne eines philologisch vermittelten Stoicismus Pflege. 
Wahrend aber diefe Bewegungen eintraten und sich immer 
mehr vertieften, verschob sich im Verlaufe des 17. Jahr— 
hunderts, unter dem Scheitern der konfessionellen Unions⸗ 
bestrebungen, immer mehr überhaupt das Kampffeld zwischen 
Orthodoxie und Rationalismus. Gs handelte sich nicht mehr 
um den Gegensatz zwischen starrem Festhalten am Dogma und 
freierer Interpretation der Bibel nach den Grundsätzen einer 
dernünftigen Interpretationskunst, worin lange Zeit hindurch 
hauptsächlich der Unterschied zwischen Orthodoxie und beginnendem 
S. oben S. 108 ff.
	        
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