222 Zwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
der sich seit 1785 Dietricy nannte, malte in der Art Rem—
brandts, Berchems, Ostades, Poelenburghs, v. d. Neers,
v. d. Werffs, Elsheimers, Roos', aber auch Salvator Rosas,
Murillos oder Watteaus: kein Wunder, daß für beide keine
Zeit übrig blieb, um auf eigene Art zu malen. So mochte
man zufrieden sein, daß wenigstens auf einigen Gebieten, wie
dem der Tiermalerei, tüchtige Meister schufen, und daß vor
allem auf dem Felde des Bildnisses der alte Ruhm Deutsch⸗
lands bewahrt ward; hier haben Meister wie Strauch (F 1630),
Kupetzky (f 1740), Denner (* 1749) fortdauernd Gutes ge⸗
schaffen.
Freilich hatten sie den Vorteil, im ganzen bei der letzten
großen Entwicklungsstufe binnendeutscher Kunst, den Zeiten
eines Dürer und Holbein, stehen bleiben oder sich von hier aus
bedächtig weiterentwickeln zu können, falls sie nicht fremder
Einwirkung anheimfielen: denn auf dem Gebiete der Bildnis—
kunst wird die alte zeichnerische Malerei immer diejenigen
fesseln, welche die nur bei dieser Malerei mögliche vollendete
Wiedergabe der Einzelplastik der Gesichtszüge jeder anderen
Auffassung vorziehen. In diesem Sinne hat vor allem Denner
geschaffen, wenn auch nicht mehr mit der Größe der alten
Meister; zu leicht wird ihm ein Detail zur Hauptsache; beinah
als Stilleben machte er seine Bildnisse, über deren feiner
Strichelung dann die Charakteristik eintrocknet.
Im übrigen bildeten freilich auch die Porträtmaler keines—
wegs bloß die Manier des 16. Jahrhunderts fort; im Gegen⸗
teil, dies war die Ausnahme, die Regel dagegen der Anschluß
im 17. Jahrhundert an die Niederländer, im 18. Jahrhundert
bielfach auch an die Franzosen. So gingen sie doch der Haupt⸗
sache nach mit dem großen Haufen derer, die in einer ver—
hängnisvollen Kombination von Urteilslosigkeit und Modezug
bald der einen Manier anheimfielen, welche die des helldunklen
Barock war, bald der andern, die dem lichten Farbenzuge des
Rokokos folgte. Ja es kam vor, daß derselbe Maler beide
Manieren zugleich anwandte. So konnte der schon genannte
Dietrich dahin charakterisiert werden, daß er einerseits, Miß—