Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Übersicht der fremden Kultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrh. 15 
Musik um die Mitte des Jahrhunderts die letzte Zeit ihrer 
Blüte erlebt hatte. Dem Madrigal und dem Oratoxium folgte 
dann in Italien seit etwa 1600 die Entwicklung der Oper; und 
um 1630 finden wir diese in Deutschland vorübergehend, seit 
etwa 1660 in voller Ausbildung wieder. 
Zur gleichen Zeit, da der Einfluß der Musik größere Aus— 
dehnung gewann, setzten auch wissenschaftliche Einwirkungen von 
Italien her ein: so solche der Ingenieurkunst, die schon lange 
als die erste der Welt galt und allgemein angewandt wurde, 
dann auch anderer naturwissenschaftlicher Disziplinen bis zu den 
gewaltigen Entdeckungen Galileis; und dem Einfluß Campa⸗ 
nellas auf Descartes siellte sich später derienige Giordano Brunos 
auf Spinoza zur Seite. 
Aber läßt sich auf gelehrtem Gebiete eigentlich von Kultur— 
einflüssen im gewöhnlichen Sinne des Wortes reden? Die 
Wissenschaft ist eins, und es versteht sich von selbst, daß in 
einem geographisch und geschichtlich so zusammenhängenden 
Bereiche wie demjenigen West⸗ und Mitteleuropas ein ständiger 
Austausch ihrer Errungenschaften stattfindet. Für Italien aber 
zeigt die gegen das 17. Jahrhundert zunehmende Bedeutung 
des Austausches gerade auf diesem Felde, um wie vieles das 
Leben im Lande der Kunst ernster geworden war ; nicht mehr 
so sehr die heiteren Gebilde der Phantasie — auch in der 
Musik handelte es sich zum guten Teil schon um Kirchen⸗ 
musik — wie vielmehr die ernsten Schöpfungen hervorragender 
Kraft des Verstandes erhielten seinen Ruhm in der Fremde. 
In der Tat erschien Italien seit dem Sacco di Roma, 
seit seiner Hispanisierung und der Gegenreformation sowie seit 
dem Übergange des Welthandels an die atlantischen Küsten in 
seinem Charakter wesentlich verändert. Vor allem war das 
Rom des 17. Jahrhunderts nicht mehr die freie Renaissance⸗ 
stadt Julius? II. Und auch Venedig, das dem Deutschen des 
16. Jahrhunderts noch so gern als das Paris seiner Tage 
erschienen war, und das noch bis in die zweite Hälfte des 
17. Jahrhunderts hinein von deutschen Fürsten — katholischen
	        
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