Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

16 Neunzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
wie protestantischen — gern besucht wurde, begann schon hippo— 
kratische Züge zu zeigen; zudem lag es an den Grenzen des 
Landes und bewahrte dem übrigen Italien gegenüber wie von 
jeher, so jetzt erst recht stolzen Sinnes eine Sonderkultur, die 
es allein geschaffen hatte. 
Indem aber diese Wandlungen eintraten, verlor Italien 
gerade nach den Seiten hin, für die es bisher maßgebend 
gewesen war, einen großen Teil der Exportfähigkeit seiner 
Kultur. Zwar herrschte italienischer Einfluß noch im Beginne 
des 17. Jahrhunderts vornehmlich unter Deutschen, denen der 
italienische Charakter der anmutendste und kongenialste der 
romanischen Volkscharaktere ist; noch um 1610 bis 1620 gab 
es in Binnendeutschland Fürstenhöfe, die einen ganz italienischen 
Eindruck machten, und um dieselbe Zeit flackerte in der Tracht 
noch einmal die italienische Mode als allgemein verbindlich auf. 
Allein bald darauf sah man den großen Zusammenhang der 
früheren italienischen Einwirkungen schwinden. Es blieb wohl 
einzelnes erhalten: italienische Musik, italienische Baukunst sind 
weiter gepflegt worden, und die italienische Malerei brachte es 
später, seit dem Niedergange der großen niederländischen Kunst, 
sogar noch einmal zu bewundernder Anerkennung. Aber von 
einem italienisierenden Charakter der deutschen Kultur als 
Ganzem konnte gleichwohl nicht mehr die Rede sein; Zeiten 
dieser Art waren seit etwa 1620 unwiederbringlich dahin, und 
niederländischer und bald französischer Einfluß haben seitdem 
den italienischen überwogen. — 
Die Geschichte der niederländischen Einflüsse kann hier kurz 
gefaßt werden. Einheimischen Charakters, ist sie mit den 
Schicksalen der Nation nach Ursprung wie Wirkung aufs 
innigste verwebt und daher an mancher Stelle einer Dar— 
stellung dieser Schicksale überhaupt schon verfolgt worden!. 
Hier kann es sich daher nur um eine eng begrenzte chrono— 
logische Umschau handeln. 
Man ogl. in dieser Hinsicht namentlich schon Bd. VI, passim.
	        
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