112 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
Überliegezeit (days of demurrage) zuzuwarten, für die ihm ein Liege-
geld (Demurrage) gebührt; es wird gewöhnlich für die Tonne Brutto-
raumgehalt festgesetzt. Ist auch die Überliegezeit ohne Ergebnis ab-
gelaufen, so kann der Schiffer „leer für voll“ auslaufen und die
Zahlung der Fracht fordern (sogenannte Fautfracht). Anderseits zahlt
der Schiffer das sogenannte dispatch money, wenn er vor Ablauf der
Liegetage das Laden oder Löschen beendet hat, um sofort auslaufen
zu können, weil er hiedurch die Mietdauer abkürzt und die hohen
Hafengebühren erspart.
Bei der Charter nach Frachtrate wird der Frachtlohn für eine
bestimmte Ware ausbedungen, doch ist der Schiffer verpflichtet,
auch andere Waren, wenn hiedurch seine Lage nicht erschwert wird,
‚anzunehmen.
Jede Charter-party enthält schließlich die sogenannte Cessor-
Klausel, mit der dem Reeder das Pfandrecht auf die Ladung ein-
geräumt wird, und die Penalty-Klausel, die Geldstrafen bei Nicht-
einhaltung der Vertragsbestimmungen vorsieht.
Die Chartering von Schiffen wird in den Hafenplätzen durch
Schiffsmakler (Ship broker) vermittelt; sehr häufig werden solche Ver-
träge auf den Börsen der Hafenplätze abgeschlossen.
D. Die Seefrachtsätze. Die Frachtsätze für den Seeverkehr
verstehen sich entweder für die Raumeinheit oder die Gewichts-
‚einheit; die Raumeinheit ist zumeist die englische ton measurement
(40 englische Kubikfuß = 11 m?) oder das m®; die Gewichtseinheit
ist die englische ton weight (1016 kg) oder die bteiiche Tonhe Für
englische und belgische Schiffe erfolgt die Festsetzung für die eng-
lische ton weight oder ton measurement in s/d, für deutsche, fran-
zösische und italienische Schiffe für 1000 kg oder für 100 m®, hollän-
dische Schiffe berechnen den Frachtsatz für 1 Last (2000 kg), ameri-
kanische Schiffe für 100 lbs in Dollars. Häufig, aber nicht immer
wird Schwergut nach Gewicht, Leichtgut nach Raum berechnet. Der
Frachtsatz wird entweder auf Grund gegenseitiger Vereinbarung in
der Frachtrate oder einseitig von der Reederei durch feste Tarife
bestimmt. Die Frachtrate kommt hauptsächlich für die Verfrachtung
von Massengütern in Betracht, sie wird bestimmt durch Nachfrage
und Angebot von Schiffsraum und Frachtgut, zumeist durch Ver-
mittlung von Schiffsmaklern. Die Frachtrate ist wichtig für die Tramp-
reedereien, die, soferne sie nicht ihre Schiffe verheuern, auf Basis
der Frachtrate verfrachten. Aber auch die Linienreedereien nehmen
auf der Heimreise Frachtgüter zur Frachtrate an, um ihren Schiffs-
raum möglichst voll auszunutzen. Die Frachtrate wird fast durchwegs
für die ton measurement — 40 englische Kubikfuß in s/d fixiert, ent-