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Neunzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Diese Theorie ist durch die Anwendung, die Newton von ihr
zur Aufhellung der kosmischen Vorgänge machte, zu all—
gemeinster geschichtlicher Wichtigkeit gelangt. Anderseits aber
wurden die schwierigen Vorgänge weiter verfolgt, in denen
Bewegungen an ein statisches Element gebunden sind. Das
Hauptproblem war hier das des zusammengesetzten Pendels.
Seiner Lösung hat besonders der holländische Mathematiker
Huyghens (1629- 1695) große Mühe gewidmet. Sein „Horo-
logium oscillatorium“ (1678) stellte vor allem den Grundsatz
auf, daß der gemeinsame Schwerpunkt einer Gruppe von
Körpern, die unter dem Einfluß der Schwere um eine hori—
zontale Achse oszilliert, bis zu seiner ursprünglichen Höhe, aber
niemals weiter steige. Es ist der Kern des Prinzips der Er—
haltung der lebendigen Kraft, das Leibniz 1686 allgemeiner
formuliert hat, und aus dem schließlich, indem man es ganz
allgemein auf alle Kräfteerscheinungen der Natur übertrug, der
Satz von der Erhaltung der Energie hervorgegangen ist.
Außerdem aber waren die Untersuchungen von solchen Vor—
gängen, welche die Kombination statischer und dynamischer
Elemente aufweisen, überaus wichtig für die Erklärung und
den verständigen Bau vorhandener wie für die rationelle Er—
findung neuer Maschinen: es bedurfte ihres vollen Abschlusses
wie freilich zugleich gewisser sozialer Umwälzungen, ehe sich die
seit Mitte des 18. Jahrhunderts rasch steigende Maschinentechnik
des subjektivistischen Zeitalters entwickeln konnte!.
In der Entwicklung der mechanischen Wissenschaft aber
kam es nach der Lösung all der zahlreichen Einzelprobleme nun
vornehmlich noch darauf an, die Einzelprinzipien, für deren
jedes bisher ein besonderer Beweis und eine besondere Methode
der Anschauung bereit stand, auf eine gemeinsame Grund—
anschauung, einen gemeinsamen Nenner gleichsam zurück—
zuführen: die Ausbildung einer Fundamentaltheorie wurde
notwendig.
Bgl. dazu den Wirtschafts- und sozialgeschichtli Ergä —
zialgeschichtlichen Ergünzungs