Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 481 
französischen Diplomatie geworden. Das erste große Ereignis 
dieses Kongresses war nun eben der Friede zwischen Frankreich 
und den Generalstaaten, vom 10. August 1678: König Ludwig 
hatte der Republik völlige Rückgabe ihrer Territorien ver— 
sprochen und vor allem den längst ersehnten guten Handels— 
vertrag angeboten: wie hätten da die Mynheers widerstehen 
können! Natürlich war damit die Lage Spaniens unhaltbar 
geworden; wie zuerst kriegerisch, so fühlte es sich jetzt diplo— 
matisch umgangen. Frankreich schloß jetzt mit ihm am 17. Sep⸗ 
tember ab, wobei es die vollen Kosten der Koalition zu zahlen 
hatte: es mußte die Franche-Comté abtreten und so viel feste 
Plätze in seinen Niederlanden, z. B. Ypern, St. Omer, Cam—⸗ 
brai, Valenciennes, Maubeuge, daß die südliche Hälfte seines 
Besitzes verloren und die nördliche — und mit ihr fast schon 
Holland — ständig bedroht war. 
Nach den Mächten des burgundischen Kreises, der kaum 
noch zum Reiche zu rechnen war, kam in Nymwegen der Kaiser 
an die Reihe. Er wurde zahm gemacht durch den Versuch 
der Bildung einer französischen Partei im Reiche, deren Kern 
das unter dem Kurfürsten Ferdinand Maria Frankreich stets 
günstig gesinnte Bayern abgeben sollte; zudem wirkten auf 
ihn die Verhältnisse des außerdeutschen Südostens. In dem 
Friedensvertrage vom 5. Februar 1679, der zugleich im Namen 
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braunschweigischen Herzögen und dem Bischofe von Münster 
parallel liefen und folgten, gaben die Franzosen im deutschen 
Südwesten Philippsburg auf — behielten aber dafür das 
weit wichtigere Freiburg im Breisgau; im übrigen wurden die 
Bestimmungen des Westfälischen Friedens erneuert, und wir 
wissen schon und werden bald noch genauer erfahren, was das 
bei der französischen Auslegung dieser Bestimmungen für das 
linksrheinische Deutschland bedeutete. Dagegen verpflichteten sich 
aber Kaiser und Reich und wurden auch die genannten Fürsten 
gehalten, in die noch unausgetragenen Fehden zwischen Schweden 
und seinen südlichen Gegnern nicht einzugreifen, und behielt 
Frankreich bis zu Herstellung des Friedens im Norden das
	        
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