Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 488 
berg. Aber der Vorsprung der Schweden war groß, und so 
hieß es rastlos weiter. Endlich, an den Grenzen schon des 
Landes, bei Splitter in der Nähe von Tilsit, erreichte ein 
Teil wenigstens der Reiterei den Feind und schlug ihn. Das 
Gros aber unter dem Kurfürsten schnitt, indem es nun auch 
das Kurische Haff noch überschritt, den Feind von seiner Rück— 
zugslinie über Memel ab; und durch unwirtliche Gegenden 
Samogitiens flüchtend, erreichten schließlich nur noch 3000 
schwedische Krieger den Boden Livlands. 
Es war wie eine Vorahnung der preußischen Kriegs— 
führung von 1866 und 1870. Aber politisch blieb der Feld— 
zug unbelohnt. Der Vertrag zwischen Frankreich und Kaiser 
und Reich war inzwischen geschlossen worden; der Große Kur— 
fürst war jetzt der einzige Friedensbrecher noch in den Grenzen 
des Reiches; ein französisches Heer unter Crequi marschierte 
zu seiner Exekution, ging von Wesel und Lippstadt zur Porta 
Westfalica, wo es Ende Juni den Übergang nach hartnäckigem 
Kampfe erzwang — bedrohte Minden. 
Was war zu tun? Am 29. Juni 1679 schloß auch der 
Brandenburger seinen Frieden mit Frankreich. Der Vertrag von 
St. Germain bei Paris nahm dem Großen Kurfürsten alle 
seine Groberungen in Schwedisch Pommern mit Ausnahme eines 
kleinen, unbedeutenden Landstriches auf dem rechten Oderufer, 
den die Schweden 1653 gegen die Bestimmungen des West⸗ 
fälischen Friedens besetzt hatten, und gab ihm das Linsengericht 
einer französischen Geldzahlung von 8300 000 Talern im Laufe 
der nächsten Jahre. 
Am 2. September 1679 hat auch Dänemark, im Frieden 
von Fontainebleau, seine Eroberungen wieder an Schweden 
herausgeben müssen. 
IV. 
Sieben Jahre hindurch hatte Frankreich Krieg geführt 
unter wechselnden, doch im ganzen aufwärts weisenden Schick— 
salen: jeßt war es Herr der europäischen Lage. Denn mehr 
noch als die gewonnenen sichtlich greifbaren Ergebnisse drängte
	        
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