Ma
bindende Verabredung unter den Brauern über eine Preiserhöhung
zu verhindern; sie sollte privatim von den Brauern vorgenommen,
die Obrigkeit gar nicht damit befaßt werden. Dieser Versuch schei-
terte an der Stellungnahme der Bierverkäufer, die es nur im Haag
gab und von denen der dortige Verkauf abhing, und an der Haltung
des größten Haager Bierbrauers, van Hoey. Einige Städte
schlossen zwar einen solchen Kontrakt, wobei den Bierverkäufern
ein Abzug von 15% gewährt wurde!). Das Publikum fand sich in
die Erhöhung, da alle Lebensmittel teurer wurden. Gleichzeitig
wurde auch die Frage der baren Bezahlung aufgeworfen; sie war
bei der traurigen Lage des Gewerbes sehr wichtig. Amsterdam
führte sie sogleich ein; andere Städte, wie Rotterdam, folgten bald.
Nur Stiftungen, Admiralitäten und der Ost- und Westindischen
Kompagnie lieferte man in Rotterdam weiter auf Kredit. —
Im Gegensatz zu der Bierbrauerei, die als städtisches Ge-
werbe im 17. und 18. Jahrhundert langsam, aber stetig zurückging,
entwickelte sich ein anderer Zweig der Getränkegewerbe in dieser
Zeit zu einer hohen Blüte. ‚Das. war die Branntwein-
brennerei. Sie wurde Anfang des 17. Jahrhunderts in ver-
schiedenen holländischen Städten als Nebengewerbe betrieben. An
Stelle der zuerst benutzten Rohstoffe (Weinsatz, verdorbener Wein
und Bier, allerlei Früchte, wie Rosinen usw.) trat nun zumeist
Korn, und die Kornbranntweinbrennerei wurde jetzt der wich-
tigste Zweig dieser Industrie?). Ihr Hauptsitz wurde dann
bald Schiedam. Diese Stadt hatte jahrhundertelang ohne
Brennerei bestanden und im 14. Jahrhundert Ostseeschiffahrt ge-
trieben; Ende des 16. Jahrhunderts übertraf sie Delfshaven im
Verkehr mit der Ostsee, und in der großen Fischerei nahm sie einen
wichtigen Platz ein; Schiedamer Seeleute traf man überall. Doch
nahm die Stadt an keiner der großen Kompanien teil; die Ein-
wohner waren bekannt durch ihren stark entwickelten Sparsinn.
Während nun ihre Heringsfischerei zurückging, entstand seit etwa
1630 eine lebhafte Brennerei, die sich gut entwickelte®). Auch in
anderen Städten fand diese Industrie Aufnahme. In Amster-
*) Vgl. hierzu die von Timmer herausgegebenen ‚,Brouwerscontracten‘‘,
S. 94 18°, 103 ££., 516 ff. (1783, 1792, 1795).
°) Dobbelaar, Opkomst v. h. Schied. korenwijnbrandersbedrijf.
° Heeringa, Uit de geschiedenis v. Schiedam, S. 195 ff.
124