Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 497
bekannten Fürstenberge, der Kardinal Wilhelm Egon. In
der Tat setzte es Ludwig durch, daß Wilhelm Egon am
7. Januar 1688 vom Kölner Domkapitel zum Koadjutor des
Kurfürsten mit dem Rechte der Nachfolge gewählt wurde.
Indes hiergegen legte der Kaiser, jetzt von Jahr zu Jahr durch
Erfolge und Sorgen im Südosten gehoben und gehärtet, ent—
schiedene Verwahrung ein, und nicht minder protestierte Bayern,
dessen kurfürstliches Haus schon damals gewöhnt war, das
geistliche Kurfürstentum am Rhein und mit ihm die ihm der
Regel nach verbundenen Bistümer von Lüttich und Hildesheim
als eine Art geistlicher Sekundogenitur zu betrachten. Aber
mit Bayern und dem Kaiser protestierte zugleich die allgemeine
Fürstenmeinung in Deutschland: sollten bei dieser Gelegenheit
womöglich drei geistliche Furstentümer auf einmal in die Hand
eines Untertanen des französischen Königs übergehen? Und
Papst Innocenz XI., an sich schon gegen Ludwig XIV. wegen
dessen innerfranzösischer Kirchenpolitik erbittert, versagte der
Wahl seine Zustimmung. In diesem Augenblicke, am 3. Juni
1688, starb der alte Kurfürst. Eine neue Wahl wurde jetzt
in Szene gesetzt, und als diese zwischen Wilhelm Egon und
dem Wittelsbacher Kandidaten, dem jugendlichen Joseph Clemens,
zweifelhaft blieb, wurde gegen Fürstenberg, der sich wider das
kanonische Recht alsbald nach der Wahl in den Besitz des
Erzstiftes gesetzt hatte, vom Papste zugunsten des Wittelsbacher
Kandidaten entschieden, der bald auch in Hildesheim vor—
nehmlich auf brandenburgisches, in Lüttich auf oranisches Be—
treiben gewählt wurde.
Man sieht: in beiden Fällen seines Eingreifens hatte
Ludwig XIV. nicht ohne weiteres Erfolg gehabt; der Prozeß
um den simmernschen Allodialbesitz verschleppte sich auf gut
deutsche Art; in Köln hatte direktes Gegenhandeln von deutscher
Seite seine Absichten vereitelt. Wollte man etwa, wollte ins—
besondere der Kaiser, kühn gemacht durch seine Erfolge im
Südosten, Frankreich trotzen? Schon allein die Tatsache, daß
der Ruhm der österreichischen Erfolge die Welt zu erfüllen,
daß das deutsche Haus Habsbhurg im Wettbewerb um di—