Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 591 
6 Millionen Gulden — stieg rasch auf das Doppelte des 
Nennwertes. 
Aber da erhob sich denn freilich die Frage, ob die be— 
stehenden Seemächte, England, die nördlichen Niederlande und 
auch Spanien wie teilweise Frankreich, dem Auftauchen eines 
neuen, anscheinend so kräftigen Mitbewerbes ruhig zusehen 
würden, und ob im Ernstfalle die Lande des Kaisers imstande 
sein würden, den Aufschwung zur See auch seegewaltig zu 
ichützen. 
In diesem Momente verquickten sich die Dinge eigenartig 
genug mit dynastischen Interessen Spaniens. 
Kaiser Karl hatte formell noch nicht auf Spanien ver— 
zichtet; doch war mit dem Ausgange des Erbfolgekrieges der 
Bourbone Philipp V. tatsächlich König von Spanien geworden 
und hatte als solcher auch die Anerkennung aller anderen 
Mächte gefunden. Es war natürlich, daß dieses Verhältnis 
zu einer gewissen Gereiztheit der Stimmung zwischen den 
Höfen von Wien und Madrid führte. Dies um so mehr, als 
auch Philipp V. auf den ehemals spanischen Besitz in Ztalien, 
der sich in den Händen des Kaisers befand, im Grunde seines 
Herzens nicht verzichtet hatte. Diese bedenkliche Lage wurde 
nun beträchtlich verschlimmert durch die Heirat Philipps V. 
mit der energischen Prinzessin Elisabeth Farnese von Parma. 
Als nämlich der Ehe zwei Söhne entsprossen, die als nach— 
geboren — Philipp war schon einmal verheiratet gewesen — 
keinen Anspruch auf den spanischen Thron erheben konnten, wurde 
es der Mutter sehnlichster Wunsch, diese Kinder in Italien 
souverän versorgt zu sehen. Und zu diesem Zwecke holte sie 
alte Erbrechte hervor, die sie bei dem zu erwartenden Erlöschen 
des regierenden Hauses Farnese auf Parma und Piacenza zu 
besitzen glaubte, ja sie erwähnte sich auch noch ein Erbrecht 
auf Toskana, wo das Haus der Mediceer ebenfalls nur noch 
auf zwei Augen stand. Und mit alledem fand sie bei ihrem 
schwachen Gemahle Zustimmung, wie ihr in dem Kardinal 
Alberoni, einem italienischen Abenteurer, ein Werkzeug zur 
Ausführung ihrer Pläne nicht fehlte.
	        
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