—592 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
Natürlich aber beeinträchtigten alle diese Ansprüche die
Stellung Österreichs in Italien; natürlich erschien auch in
ihrem Verfolg alsbald die Hoffnung, die alte spanische Herr—
schaft in Italien überhaupt wiederherzustellen: und natürlich
mußte ihnen der Kaiser entgegentreten.
Aber in Spanien war man nicht blöde. Während des
österreichischen Türkenfeldzuges des Jahres 1717 nahm eine
panische Flotte im hellen lichten Frieden das kaiserliche
Sardinien weg. Im Sommer 1718 wurde dann Sizilien dem
Herzoge Viktor Amadeus von Savoyen geraubt: damit glaubte
man sich des Besitzes einer Flanke sicher, von der aus der
kaiserlichen Herrschaft im kontinentalen Italien bequem in die
Weichen zu fallen war.
Es waren Flibustiertaten, die dem Friedensschlusse des
erst kürzlich beendeten Erbfolgekrieges offen Hohn sprachen: —
sollten sie die Garanten dieses Friedens einfach hinnehmen?
England, Frankreich, der Kaiser, die Niederlande, Savoyen
fielen Spanien in den Arm; französische Truppen überschritten
schließlich die spanische Grenze; im Jahre 1720 mußte Philipp V.
nachgeben. Aber doch nicht ohne einigen, ja wesentlichen
Gewinn. Allerdings erhielt der Savoyer an Stelle Siziliens
das abgelegene Sardinien als Königreich; Sizilien aber fiel
an den Kaiser, der somit nun, da er Neapel schon besaß, das
ganze ehemalige Königreich beider Sizilien unter seiner Herr⸗
schaft vereinigte: eine bedeutsame Verstärkung seiner Macht in
Italien. Indes anderseits mußte der Kaiser nicht bloß die
Herrschaft Philipps V. in Spanien nunmehr Fauch formell
anerkennen, es wurde ihm auch das Anerkenntnis des Erb⸗
rechtes der Söhne der Königin Elisabeth Farnese auf Parma—
Piacenza und selbst auf Toskang auferlegt: was bei dem zu
erwartenden Aussterben der Farnese und Medici schwere Ver⸗
wicklungen voraussehen ließ. Oder konnte die Anerkennung
des habsburgischen Besitzstandes in Italien und in den süd—
lichen Niederlanden, die Philipp V. demgegenüber auszusprechen
hatte, Gewähr für friedliche Zeiten bieten?
In diesem Augenblicke verbanden sich nun in der öster—