Türkenkriegen. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 595
1. Es war Unglück an allen Ecken und Enden; es schien,
als habe sich die Kriegstüchtigkeit der Armeen ÄÖsterreichs in
den Türkenkriegen erschöpft, wie sie denn in der Tat in einigen
Punkten militärischer Ausbildung im Rückstande waren; Prinz
Eugen selbst, nun hochbetagt, ein Stück gleichsam lebendigen
Ruhms des Kaiserhauses, riet zum Frieden. So kam es denn
zu Verhandlungen, die zunächst einseitig mit Frankreich am
7. November 1735 abgeschlossen wurden: Frankreich erhielt
Lothringen, wenn auch noch unter einiger zeitweiliger Ver—
klausulierung. Und nach wenigen Jahren, 1788, wurden auch
die italienischen Verhältnisse neu geregelt. Don Carlos wurde
jetzt Sizilien und Neapel zugesprochen; in dem Königreich
beider Sizilien wurde also ein drittes bourbonisches Reich auf
romanischem Boden begründet. Dem Kaiser aber fielen nun—
mehr zu der Lombardei Parma und Piacenza und indirekt,
durch Verleihung an den der Kaiserfamilie nahverwandten,
mit der Erzherzogin Maria Theresia, der nachmaligen Kaiserin,
vermählten Herzog von Lothringen, auch Toskana zu: es war
eine geographische Halbierung Italiens in einen spanischem
Einflusse zugänglich gemachten Süden und in die mittleren
und nördlichen Regionen, in denen dem Hause Habsburg eine
nun allerdings besonders feste Hegemonie zufiel.
übersieht man indes von diesem Abschlusse aus die Er—
zignisse im Bereiche der habsburgischen Monarchie, die dem
spanischen Erbfolgekriege seit mehr als zwei Jahrzehnten und
den großen Türkenkriegen des 17. Jahrhunderts seit etwa
einem Menschenalter gefolgt waren, so läßt sich ein Fort—
schreiten doch nur noch im ganzen feststellen. So gewiß
gegenüber der Türkei, im Donaugebiete. In der kommerziellen
Konsolidation des Reiches dagegen war es gerade für das
erstrebte höchste Ziel eines interozeanischen Verkehrs zu einer
starken Enttäuschuug gekommen; mißlungen war es, auch nur
die Anfänge eines waährhaft seemächtigen Ögsterreichs zu ent⸗
wickeln. Und konnte man auf die italienischen Ereignisse der
letzten Jahrzehnte mit gänzlich ungetrübter Freude zurück⸗
blicken? Gewiß, es war sozusagen eine Zusammenlegung des