Object : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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Aktivposten  der  französischen  Zahlungsbilanz  werden  von  Monat  zu
Monat  nicht  voller  und  größer,  sondern  geringer  und  können  dem  steigenden ­
  Passivum  auch  nicht  im  entferntesten  das  Gleichgewicht  halten.
Die  Zahlungsbilanz  Frankreichs  wird  stark  passiv,  aus  dem  Gläubigerstaat ­
  wird  ein  Schuldnerstaat,  der  bei  längerer  Dauer  dieser  Entwicklung
lange  in  diesem  Stadium  verbleiben  oder  noch  tiefer  fallen  wird.
Langsam  begann,  wie  bereits  ausgeführt,  der  Wertmesser  der  französischen ­
  Kaufkraft,  der  Franken,  seine  Geltung  zu  verlieren,  um  später
katastrophal  zu  stürzen.  Die  hohe  Bedeutung  einer  vollwertigen  und
stabilen  Valuta  für  das  Wirtschaftsleben  trieb  die  leitenden  Organe
sofort  dazu,  Gegenmaßregeln  zur  Stützung  anzuwenden.  Wie  sollte
aber  der  Gegenwert  für  die  importierten  Waren  geleistet  werden?  Die
Volkswirtschaftslehre  stellt  hierfür  die  Regel  auf:  Ware  ist  mit  Ware
zu  bezahlen.  Das  durch  den  Krieg  empfindlich  gestörte  Wirtschaftsleben ­
  Frankreichs,  sowie  die  reine  Verbrauchswirtschaft  des  Krieges,
vermögen  aber  das  Äquivalent  Ware  nicht  zu  liefern.  Die  realen  Güter,
die  Frankreich  im  Auslande  besitzt,  seien  es  Warenbestände,  überseeische
Forderungen  an  Zinsen  —  so  weit  hier  die  europäischen  und  außereuropäischen ­
  Moratorien  keine  Hindernisse  in  den  Weg  legten  —  und  sonstigen ­
  im  internationalen  Zahlungsverkehr  brauchbaren  Güter  reichten
nicht  aus,  um  den  Import  zu  decken,  oder  waren  bald  verbraucht.  Es
blieb  also  für  Frankreich  nur  ein  Weg,  der  die  Regel:  Ware  gegen  Ware
zu  ersetzen  geeignet  ist,  und  der  durch  seine  ausnahmsweise  Anwendung
gerade  zur  Regel  geworden  ist.  An  Stelle  der  sofortigen  effektiven  Leistung
tritt  der  Kredit  als  erste  Gegenleistung.
England  und  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  wurden  für
ihre  Güterübertragungen  zunächst  mit  den  neuen  französischen  Schatzanweisungen, ­
  den  „National-Verteidigungswechseln“  und  „National-Verteidigungsobligationen“
  bezahlt.  Die  englischen  und  amerikanischen
Lieferanten  zogen  aber  bald  eine  Grenze,  bis  zu  der  sie  die  neuen  Schatzwechsel ­
  und  Obligationen  in  Zahlung  nehmen  wollten.  Nach  Ribots
Mitteilungen  in  der  Kammersitzung  vom  8.  Mai  1915  haben  England
und  die  Union  im  ganzen  für  502  Mill.  Frcs.  Wechsel  und  Obligationen
der  nationalen  Verteidigung  aufgenommen  und  bis  zum  31.  Oktober
1915  waren  nach  einer  neuen  Angabe  (Kammersitzung  vom  26.  November ­
  1915)  insgesamt  1x65  Mill.  Frcs.  aufgenommen.  Namentlich
sträubten  sich  die  Portefeuilles  der  amerikanischen  Banken,  die  hinreichend ­
  mit  ihnen  gesättigt  zu  sein  schienen.  Auf  der  Grundlage  von
Schatzwechseln  waren  also  nach  kurzer  Zeit  wenig  Kredite  mehr  zu
erlangen,  und  Blankokredite  wollte  man  nicht  eröffnen.  Nach  Berichten
der  periodischen  Presse  sollen  nur  im  September  1914  in  London  50  Mill.
Frcs.,  im  November  1914  in  New  York  50  Mill.  Frcs.  ungedeckte  Bankkredite ­
  eingeräurat  worden  sein.  Seither  sind  weitere  zuverlässige  Nachrichten ­
  nicht  zu  verbuchen.
Im  Verlaufe  von  7  Monaten  haben  die  beiden  kapitalkräftigen
Staaten,  England  und  Amerika,  nur  für  663  Mill.  Frcs.  Schatzwechsel
            
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