328 Einundzwanzigstes Buch. Drittes LKapitel.
überhaupt nicht als ein in sich ruhender, friedlich zu ge—
nießender und friedlich auszubauender Besitz, sondern nur als
Mittel zu neuen, höheren, natürlich persönlichen Zwecken.
Als er sich der Macht Polens sicher glaubte, lockte ihn als
nächstes Ziel ein Kampf gegen Schweden, der ihm und seinen
Reichen die Eroberung Livlands und womöglich die Hegemonie
des europäischen Nordostens überhaupt bringen sollte. Bestärkt
aber in solchen Plänen, die der Zustimmung der polnischen
verfassungsmäßigen Instanzen keineswegs sicher waren, wurde
August der Starke namentlich durch einen livländischen Emi—
granten, Patkul, der den Kampf des livländischen Adels gegen
die Domänenreduktion Karls XI. von Schweden mit Er—
bitterung geführt hatte und dafür mit Todeserklärung und
Güterkonfiskation bestraft worden war.
Waren aber die Bestrebungen König Augusts nicht in
der Tat in mancher Hinsicht aussichtsvoll? Leicht genug
mußte es ihm bei der uns bekannten Konstellation der Mächte
im Nordosten und Norden gelingen, eine Allianz gegen Schweden
zustande zu bringen. Allerdings die deutschen Mächte ver—⸗
sagten zunächst; namentlich auch Brandenburg hatte Bedenken:
es war durch den Vertrag mit dem Hause Habsburg zu sehr
im Westen festgelegt und auch sonst zu stark gefesselt, um
mit eingreifen zu können. Um so leichter ergab sich Däne—
mark als Bundesgenosse: wie freute es König Friedrich IV.,
mit Schweden zugleich dem Herzog von Gottorp auf den Leib
rücken zu können: im Mai 1699 schloß er, unter Vermittlung
Patkuls, ein Bündnis mit August dem Starken ab. Aber auch
Rußland wurde von August gewonnen. Schon Ende Juli
1698, gelegentlich der Rückkehr des Zaren von seiner ersten
europäischen Erkundungsreise, hatten Peter der Große und
August eine persönliche Zusammenkunft in Rava gehabt;
möglich, daß hier überhaupt zuerst das Einverständnis eines
gemeinsamen Vorgehens gegen Schweden zuerst eingehender
erörtert worden ist. Als dann im Jahre 1699 das Ende des
damals noch fortwährenden Krieges zwischen Rußland und der
Türkei in nahe Zukunft rückte, wurde, am 11./21. November,