Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 645 
Seegewalt knüpfte. In der Ostsee, dem noch immer befahrensten 
aller Meere, waren die Schweden für England im Grunde 
bequeme Gegner gewesen, denn sie hatten den Handel zwar 
belastet, nicht aber selbst betrieben; und sie waren auch nur 
in geringem Grade Herren der weiten Hinterländer gewesen, 
in die er sich ergoß. Wie mußte sich das alles mit dem Auf⸗ 
kommen der russischen Seegewalt ändern! Man nahm an, 
daß die Russen bald einen nicht geringen Teil des Seeverkehrs 
an sich reißen würden; und gewiß war, daß sie des Land⸗ 
handels im Osten ganz anders Herr waren als ihre Vor— 
gänger. Und nun schien, im Jahre 1716, Rußland gar noch 
Miene zu machen, sich im Westen der Ostsee, in Deutschland 
oder Dänemark, festzusetzen! Da war eine energische Gegen— 
wirkung angebracht; und für sie konnte man in England nicht 
bloß der Teilnahme der Niederlande, der anderen besonders 
interessierten Seemacht, gewiß sein, sondern auch Frankreichs, 
dem daran liegen mußte, Schweden, das unter dem zunehmenden 
UÜbergewichte Rußlands in den kommenden Friedensverhand— 
lungen besonders zu seufzen zu haben werde, als seinen alten 
Bundesgenossen und als Träger eines ständigen, französischen 
Eingriffen günstigen Gegengewichts in den deutschen Dingen 
nicht allzusehr leiden zu lassen. 
Diese allgemeinen, Rußland feindlichen westeuropäischen 
Interessen mußten sich nun aber mit denen der deutschen 
Fürstenwelt nicht bloß an sich, insofern diese unter den Russen 
litt, sondern vornehmlich auch aus dem besonderen Grunde 
vermischen, daß der König von England zugleich Kurfürst von 
Hannover war. Und von diesem Standpunkte aus hatte denn 
auch die englische Politik schon frühzeitig vorgesorgt. Von 
jeher oder wenigstens seit dem Schlusse des Dreißigjährigen 
Krieges war es ein eifriges Bemühen des Welfenhauses ge⸗ 
wesen, Bremen und Verden zu gewinnen; es waren zugleich 
Länder, deren Besitz in den Händen des Kurfürsten-Königs 
von England den englischen Handel, wie er in Bremen und 
vornehmlich Hamburg blühte, im höchsten Grade zu stützen 
geeignet war. Hier also lag ein erstes dringliches gemeinsames
	        
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