Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

346 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Interesse Hannovers und Englands vor, einzugreifen, und am 
wenigsten zuzulassen, daß diese wichtigen Gebiete etwa in den 
Besitz Dänemarks, einer mit Rußland verbündeten und russischen 
Einflüssen jederzeit leicht offenstehenden Macht, gelangten. Nun 
war allerdings den Dänen in der russisch-preußisch-englisch— 
dänischen Koalition der Jahre 1714 und 1715 der Anfall eben 
dieser Lande bei einem künftigen Friedensschluß versprochen 
worden. Aber mit ihnen setzte man sich jetzt direkt und rasch 
auseinander; sie sollten mit dem gottorpischen Schleswig und 
in Vorpommern entschädigt werden; und schon gegen Ende 
1715 gelangte Bremen in hannoversche Verwaltung. 
Von diesem nunmehr festen Grunde in Nordwestdeutsch⸗ 
land aus aber streckten sich die englischen Wünsche alsbald 
weiter, und als letztes Ziel erschien ihnen schließlich eine all⸗ 
gemeine hannoversch-englische Beherrschung mindestens des 
deutschen Ostens: ja schon gab man sich ernstlich Mühe, als 
erste Stützpunkte einer solchen Herrschaft Stralsund und Rügen 
zu gewinnen. Dabei konnte man im ganzen auch noch der 
Hilfe oder wenigstens der Konnivenz des Kaisers gewiß sein: 
und dies je länger je mehr, seitdem das Verhältnis des Kaisers 
zu dem sächsischen Hofe sich günstiger gestaltete und damit für 
dessen Entschlüsse das polnische, naturgemäß russenfeindliche 
Interesse maßgebender wurde. Dieser Moment aber wurde 
etwa gegen Ende des Jahres 1717 erreicht; im Februar 1718 
feierte der sächsische Kurprinz Friedrich August, nachdem er 
1717 öffentlich zur katholischen Kirche übergetreten war, seine 
Verlobung mit der älteren Tochter Kaiser Josephs J., Maria 
Josepha. 
Auf dieser Grundlage, die inzwischen noch durch die 
Tripelallianz mit Frankreich und den Niederlanden verstärkt 
war und im Grunde alle wichtigen deutschen Interessen mit 
Ausnahme der preußischen in sich schloß, begann nun die 
englische Politik an die Hauptarbeit zu gehen, die den eng— 
lischen Einfluß an den Ostseegestaden mächtig fördern oder 
mindestens ein leidlich starkes Schweden wiederum Rußland 
entgegenwerfen sollte, an die Herstellung des Friedens. Da
	        
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