Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 407 
rische teilweis sekundären Ursprunges sind, aus einer Amalga— 
mierung kleinerer Staaten noch niedriger Kultur hervorgegangen, 
indem ein größerer Staat oder die Herrschernatur einer großen 
Person oder eines Geschlechtes in einem der Staaten die 
andern zur Untertanschaft im Sinne der Tributpflicht zwang. 
Waren sie von langer Dauer, so war dafür, außer den besonders 
günstigen geographischen Verhältnissen, wohl vor allem die Tat— 
sache von Bedeutung, daß die Eroberer mit göttlichem Nimbus 
umkleidet wurden. Denn in Zeiten starker geistiger Gebunden— 
heit werden Glaubensnormen zu Gesetzesvorschriften — so sind 
noch die griechischen Dogmen des Christentums in der Anschauung 
der mittelalterlichen Völker Zentral- und Westeuropas zu Vor⸗ 
schriften eines geistlichen Rechtes geworden —: und so bilden 
sie eine der stärksten, wenn nicht die stärkste Bindungsform 
dieser Zeitalter. Es ist der innere Grund, warum solche Despo⸗ 
tien, wenn sie länger währen, leicht zu Theokratien werden 
oder von theokratischen Grundgedanken ausgehen. 
Im Orient entstanden auf diese Weise feste Staaten und 
eine Staatsform, die theokratisch unduldsam war bis zu dem 
Grade, daß sie den Charakter der alleinigen Herrschaft und 
damit des Universalstaates für sich beanspruchte. 
Verfolgen wir demgegenüber den Gang mittelmeerisch-euro⸗ 
päischer Entwicklung der Antike, ohne deren Heranziehung in 
diesem Augenblicke wir schwerlich imstande sein würden, die unter 
fortwährenden Renaissancen verlaufende innere politische Entwick— 
lung des deutschen Volkes nach der Periode der urzeitlichen Despo⸗ 
tien zu verstehen, so sehen wir, wie hier den vorderasiatisch-afrika— 
nischen Reichen nach anfänglicher Neigung zu Urstaat und groß⸗ 
staatlicher Despotie bald ganz andere Bildungen entgegentreten. 
In diesen Gegenden, in Griechenland und Italien, er⸗ 
innert nichts an die einförmige Großräumigkeit des Orients; 
und fast unmöglich erschien es daher in Zeiten unentwickelter 
Verkehrsmittel zu Lande, hier größere Landstrecken zu be— 
herrschen. Dagegen fuührte ein reger, wenn auch primitiver 
Verkehr auf dem gastlichen, inselbedeckten Meere bald zur An— 
häufung größerer Menschenmassen an wenig zahlreichen, mensch—
	        
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