Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

376 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
sequenzen, als er von den Domanialeinkünften nur eine überaus 
geringe Summe, 52000 Taler, etwa ein Sechsunddreißigstel 
der Jahreseinnahmen, zu seiner persönlichen Verfügung zurück— 
behielt, das übrige dagegen den Zwecken der Staatsverwaltung 
dienstbar machte. 
War damit die staatsrechtliche Stellung der Domanial— 
einkünfte in entschiedener Weise und zugunsten ihres öffentlichen 
Charakters geklärt, so sorgte der König zugleich während 
seiner ganzen Regierung eingehend für Mehrung und Besserung 
des Domanialbesitzes. Das Ergebnis war außerordentlich. Im 
Jahre 1713 wurden die Einkünfte auf etwa 1800000 Taler 
geschätzt; am Ende der Regierung Friedrich Wilhelms J. waren 
sie auf 3300000 Taler gestiegen. 
Außer den alten fürstlichen Einkünften aber galt es nun 
auch Kontribution und Akzise zu regeln. Zur Zeit der Thron— 
besteigung Friedrich Wilhelms J. ergaben die Domänen etwa 
die Hälfte der Staatseinnahmen; die andere Hälfte dagegen 
wurde Einkünften verdankt, die aus ehemals ständischer Be— 
willigung hervorgingen. Es waren dies die Kontribution, eine 
direkte Steuer des platten Landes, und die unter dem Großen 
Kurfürsten eingeführte Akzise, wie wir wissen!, eine indirekte 
Steuer vornehmlich der Städte. Doch war die Kontribution 
allerdings nicht die einzige direkte Steuer. Neben ihr kam 
noch das Lehnritterpferdegeld, das Kavalleriegeld, der Hufen⸗ 
und Giebelschoß, die Judensteuer u. a. m. in Betracht. Aber 
durchaus im Vordergrund stand sie doch, eine rohe Grund⸗ 
steuer, die unter den verschiedensten provinziellen Namen, 
Generalhufenschoß, Hufensteuer, Landsteuer usw. erhoben 
wurde. Im Kreise Beeskow-Storkow z. B. trug das Kavallerie⸗ 
geld jährlich 1604 Taler, der Hufen- und Giebelschoß 734 
Taler, die Kontribution dagegen 6015 Taler. 
Diese Kontribution war nun im Grunde schon im 
17. Jahrhundert eine durchaus veraltete Steuer gewesen; die 
Kataster oder katasterähnlichen Grundlagen, auf denen sie be⸗ 
S. oben S. 666 f.
	        
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