Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 697
Anfang der glänzenden Entwicklung des brandenburg-preußischen
Postwesens, das schon unter seinem ersten Hofpostdirektor
Matthias (1654 -1684) zu hoher Blüte gedieh.
Die eigentliche Handelspolitik beschränkte sich auf die
Mark. Für sie suchte der Kurfürst, soweit das möglich war, all
die überaus günstigen Voraussetzungen! zu entwickeln, die in der
zentralen Lage des Landes gegeben waren. Aber die Hindernisse
erwiesen sich doch als außerordentlich. Die Oder, derjenige Fluß,
auf den das Land vornehmlich angewiesen war, so lange nicht
Magdeburg zu ihm gehörte, war im Norden mit Stettin im Be—
sitze Schwedens, im Süden mit Breslau im Besitze Österreichs.
Wie sollte da das zwischenliegende brandenburgische Frankfurt
gedeihen? Die Elbe aber, die sich dem Lande durch die Havel
öffnete, war durch Zölle halb geschlossen und führte, da ein
Verkehr nach den Odergegenden zu durch die dreiherrige
Handelsherrschaft an diesem Flusse ausgeschlossen schien, nur
nach Sachsen und in das Elster- und Saalegebiet mit Leipzig
als Hinterland.
Dementsprechend hatten sich, mit fast völliger Umgehung
Brandenburgs, Handelslinien des kolonialen Ostens aus—
gebildet, die von Breslau aus einmal auf Stettin verliefen,
vor allem aber von Breslau aus über Leipzig nach Hamburg
führten. In ihnen pulsierte ein Verkehr, der einerseits
die Produkte des europäischen Ostens Deutschland und
den Weststaaten vermittelte und anderseits den Osten mit
Kolonialwaren und den Erzeugnissen des westlichen Gewerb⸗
fleißes versah.
Der Große Kurfürst trat, zum Teil durch den Hofpost—
direktor beraten, diesem Stande der Dinge, der im Grunde
auf die Erwerbung von Stettin und Breslau, also von
Pommern und Schlesien, sowie auf die Entwicklung eines
brandenburgischen Einflusses auf der Unterelbe hinwies, zunächst
mit einem einfacheren, ihm zugänglichen Mittel entgegen: im
Jahre 1662 begann er und im Zahre 1668 vollendete er den
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