Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 705 
jenem Bürgertum, das eben noch vom Hause Habsburg als 
Träger des Protestantismus im höchsten Grade befehdet worden 
war? Der Zeit hat selbst der bloße Gedanke einer solchen 
Verbindung fern gelegen. Und so suchten die österreichischen 
Herrscher sich zunächst mit ihrer eigenen Macht und der leid— 
lichen Stützung dieser auf Adel und Klerus zu behelfen und 
ließen die Dinge, was Bauern und Bürger betraf, gehen, wie 
sie gehen wollten. 
Da hatten nun zunächst die Bauern wenigstens teilweise 
aus dem Mittelalter ein besseres Recht in neuere Zeiten 
herübergerettet als in den meisten anderen Gegenden des 
Reiches; in Tirol waren sie sogar durch Abgeordnete der 
freien Gerichte im Landtage vertreten, und im allgemeinen 
stand ihr Recht auch sonst in den Erbländern auf etwas 
besserer Stufe als wenigstens in Böhmen etwa und Mähren. 
Auch hatten die Fürsten, belehrt durch die furchtbaren Auf— 
stände im Anfange des 16. Jahrhunderts, die windische 
Stara prayda von 1516 und die Bauernkriege der Jahre 1525 
und 1526 in Tirol, im Salzburgischen und ˖ in Obersteiermark, 
nach diesen Aufständen manches für das platte Land getan. 
Allein schon in den Zeiten des Kampfes zwischen Ständen 
und Fürsten, in der Periode der Gegenreformation war diese 
Fürsorge wieder zurückgetreten, und die Schwierigkeiten des 
bäuerlichen Zustandes, die sich im wesentlichen aus der nicht 
beachteten Notwendigkeit einer Liquidation der mittelalterlich— 
naturalwirtschaftlichen Wirtschaftsformen ergaben, führten zu 
erneuten Aufständen. So hatte 1573 in Kroatien und Unter— 
steiermark der zweite große windische Bauernkrieg gewütet 
und ihm waren in den Jahren 1594 und 1596 Aufstände in 
dem Land ob und unter der Enns gefolgt; worauf 1626 
wiederum Österreich ob der Enns, 1631 Oberungarn, 1635 
Südsteiermark, endlich 1680 Böhmen Schauplätze neuer 
fürchterlich erbitterter Kämpfe geworden waren. Trotzdem 
war es zu keinerlei durchgreifenden Reformen gekommen. Die 
Aufstände waren blutig niedergeworfen worden; in Einzel— 
heiten sah die Regierung seitdem wohl auch zum Rechten oder
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.