Full text : Neuere Zeit (Abt. 2)

Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 741

sah, sich den Ungarn namentlich auch persönlich zu nähern;
schon am 19. Juni 1741 hatte sie sich zu Schiff nach Preßburg,
an den Ort des seit Mai tagenden ungarischen Reichstages
aufgemacht.
Die Zustände, in die sie auf ungarischem Boden hinein—
zublicken hatte, waren freilich ihrem Anliegen um Hilfe nicht
günstig. Finanziell konnte sie aus dem Lande schwerlich unter⸗
stützt werden; von alters her galt die Steuerfreiheit von Adel
und Geistlichkeit, und Bürger und Bauern zinsten wenig;
Karl VI. hat aus Ungarn schwerlich je mehr als eine Summe
von zweiundeinhalb Millionen Gulden jährlich gezogen. So
blieb nur kriegerische Unterstützung denkbar: und das hieß
allgemein organisierte Bewaffnung der Ungarn. War diese aber
möglich ohne Gefahr für das Haus Habsburg? Hatte es nicht
einen stets festgehaltenen Satz der Regierungsweisheit Karls VI.
gebildet, sie unter allen Umständen zu vermeiden? Oder
sollte man sich mit der schwächlichen Heereshilfe, der sogenannten
Insurrektion, begnügen, zu der sich die ungarischen Stände vor
noch nicht allzulanger Zeit verfassungsmäßig verpflichtet hatten?
Während Maria Theresia diese und ähnliche Fragen zu
erwägen hatte, umtobte sie der Lärm der Verhandlungen des
Reichstags: und verdichtete sich bald zu Beschwerden und
Forderungen, deren Erfüllung eine wesentliche Beschränkung
der an sich allerdings ziemlich starken Rechte des ungarischen
Königtums bedeutet haben würde. Genug des Erfolges schien
es da auf den ersten Augenblick, wenn Maria Theresia, vor⸗
nehmlich durch Vermittlung einiger Mitglieder des hohen Adels,
insbesondere des Palatins Grafen Johann Palffy, wenigstens
das eine erreichte, daß sie am 28. Juni, unter all dem her—⸗
gebrachten Umstand altertümlicher Feierlichkeiten, die ungarische
Krone empfing. Aber deuteten sich nicht schon bei dieser Ge—
legenheit Differenzen der Haltung an, die der ungarische Hoch—
adel einerseits und die unteren Stände einschließlich des
Landedelmannes anderseits gegenüber der Krone einnehmen
sollten? Konnte nicht der Hochadel in der Unterstützung der
jungen Königin, deren Regierung nun einmal feststand, ja
            
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