Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 749
schließlich mit der Einnahme des Breisgaus; ungehindert von
ihnen und von den kläglichen Truppen der Reichsarmee nahm
der Prinz von Lothringen, der wichtigste Kriegspaladin Maria
Theresias in dieser Zeit, mit seiner Armee den Lauf durch
Süddeutschland, vereinigte sich mit bayrischen Truppen und
20000 Sachsen unter dem Kommando des Herzogs von Sachsen⸗
Weißenfels und zwang Friedrich, im Dezember Böhmen zu
räumen und sich nach Schlesien zurückzuziehen.
So war das erste Feldzugsjahr für Friedrich verloren.
Und mehr: auch die Stützen seiner Bündnisse brachen so gut
wie zusammen. Im Dezember starb die Herzogin von Chateau⸗
roux, die Mätresse Ludwigs XV., die auf Seite Preußens ge—
standen hatte; am 20. Januar 1745 sank Kaiser Karl VII.
ins Grab, und sein Sohn, Kurfürst Marximilian III. Joseph,
machte gegen Wiederzulassung in die Kur und in den Besitz
von Bayern seinen Frieden mit Osterreich.
Damit nicht genug. Für das Feldzugsjahr 1745 rüstete
die englisch-österreichische Koalition aufs beträchtlichste; Eng—
land hat in diesem Jahre allein 830 000 Pfd. Sterl. Subsidien
gezahlt. Und zugleich erweiterte und befestigte sich die Koalition
am 8. Januar 1745 in den Warschauer Stipulationen zur
Quadrupelallianz von England, Hsterreich, Sachsen und Holland:
schon sprach man wieder von der bevorstehenden Teilung
Preußens.
König Friedrich war gegenüber diesem Andrängen in
schlimmer Lage. Wohl gelang es ihm, im Feldzuge des Früh—
sommers, am 4. Juni, die Öpsterreicher bei Hohenfriedberg zu
schlagen und den Kriegsschauplatz nach Böhmen zu verlegen.
Aber weiter gehen zu können durfte er nicht hoffen. Denn
seine Verbündeten, die Franzosen, hatten inzwischen den Schau—
platz ihres Kampfes gegen England fast ausschließlich nach den
Niederlanden verlegt, und ihr Sieg bei Fontenoy, am 11. Mai,
war dem Könige darum wenig zu statten gekommen. Im
Grunde blieb ihm nichts übrig, als zu verhandeln, zumal er
dabei gegenüber Maria Theresia neben manch altem Angebot
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 2. 48