Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 779
vier Fünftel der Höhe jener Summen, die er zugleich als
Kriegsschatz ersparte und an verschiedenen Stellen seines Landes
in bar hinterlegte. Aber die Manipulation mit diesen Summen
hinderte ihn nicht, in seinen ständigen Rundreisen in den Provinzen
bis auf Gartenzäune und Dünghaufen der Dörfer hinab zu
beobachten. Und mit welcher Freude verweilen seine Gedanken
hei der Summation eben dieses Individuellen! „Ich bin hier
in einer Provinz,“ schreibt er im Herbst 1766 aus Breslau
an Voltaire, „wo man die Physik der Metaphysik vorzieht.
Man bestellt die Felder, man hat 8000 Häuser wieder auf⸗
gebaut und man zeugt alljährlich Tausende von Kindern, um
die zu ersetzen, die die Raserei der Politik und des Krieges
dahingerafft hat.“ Und im nächsten Briefe teilt er, in freudigem
Stolze teilweise wiederholend, mit: „Wenn Sie die Gesamtzahl
der Verwüstungen wissen wollen, so vernehmen Sie, daß ich
im ganzen in Schlesien 8000 Häuser wieder aufgebaut habe,
in Pommern und in der Neumark 6500, macht nach Newton
und d'Alembert 14500.“
Schon diese Einzelheiten aber zeigen, worauf es Friedrich im
Staate an erster Stelle ankam: auf die Wohlfahrt, und wiederum
insbesondere die materielle Wohlfahrt der Bürger. In diesem
Sinne sind die Worte in den „Rétlexions sur l'administration
des finances“ vom Jahre 1784 zu verstehen: „Die Staats-
einkünfte müssen heilig sein und als in Friedenszeiten einzig
und allein für den Vorteil der Bürger bestimmt betrachtet
werden, sei es, um das Land urbar zu machen, sei es um den
Städten die Manufakturen zu geben, die ihnen fehlen, sei es
schließlich, um alle diese Anlagen solider und die Privatleute,
hom Edelinann bis zum Bauern, aufriedener und wohlhabender
zu machen.“
Friedrich brauchte, steckte er sich diese Ziele, um die
Stählung der Werkzeuge, mit denen sie erreicht werden sollten,
nicht mehr viel besorgt zu sein. Hier hatte sein Vater vor⸗
gearbeitet; und mit voller Einsicht in das Geleistete hat der Sohn
es ihm ehrlich gedankt. Gewiß: das Heerwesen, das von nun
ab hur noch die Entfaltung eines reichen inneren Lebens vor