788 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Hamburg und Leipzig lahmgelegt und auch der Handel des
Westens in die Marken und an die Oder gezogen werden
sollte. Und damit immer noch nicht genug. Neben mehr
repressive Maßregeln zur Verwirklichung der geschilderten Ab—
sichten traten positive, schöpferisch aufbauende. Lehrreich ist
in dieser Hinsicht namentlich der schon 1742 unternommene
Versuch, in Breslau eine Messe zu entwickeln, die, im Wett⸗
hewerbe mit Leipzig, den russischen, polnischen, siebenbürgischen,
ungarischen und österreichischen Handelsverkehr nach Schlesien
ziehen, die schlesische Industrie stärken und in Kombination mit
der schon bestehenden Messe zu Frankfurt an der Oder noch
einmal wieder den Oderverkehr zu einem zentralen des Ostens
gestalten sollte.
Es waren folgerichtig durchdachte Maßnahmen, die
schließlich in tausend und abertausend einzelnen Vorschriften
zutage traten: Willkürmaßregeln in gewissem Sinne, denn sie
gingen zum Teil an gegen die natürliche Lage der Dinge. Wie
konnte Friedrich hoffen, den österreichischen Verkehr vom Elbtal
ab auf das Odertal zu lenken! Die Entwicklung der Breslauer
Messe mißlang; der Handel der österreichischen Lande gravitierte
nach wie vor nach Leipzig. Und wie war zu denken, daß
Hamburg von seinem südöstlichen Hinterlande dauernd ab—
geschnitten werden könne! Eben der Schluß des 18. Jahr—
hunderts sah die steigende Blüte der alten Hansestadt.
Viel aber hat Friedrich gleichwohl erreicht. Vor allem
dadurch, daß er zugleich das Flußnetz des deutschen Nordostens
in einem Sinne ausbaute und durch Kanäle ergänzte, der
den Verkehrslinien seiner Zollpolitik erst die rechten, leichtesten
und für die Zeit besten Wege schuf. In diesem Zusammen⸗
hange ist der Plauensche Kanal von der Elbe nach der Havel
angelegt worden; wurde der seit dem Dreißiglährigen Kriege
berfallene Finowkanal zwischen Havel und Oder wieder in⸗
stand gesetzt; ist die Swinemündung der Oder schiffbar gemacht
und der Bromberger Kanal erbaut worden, der Oder und
Weichsel verbindet. Und zu der Fürsorge für diese groben
Bahnen, die eigentlichen Transportwege des großen Verkehrs,