Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 805
straßenverbindung zwischen Pommern und der Weichsel hätte
es beherrschen müssen, um sich entschiedener zu regen.
Rußland hatte inzwischen auch sonst die Eifersucht der
Mächte hervorgerufen, und sterreich und Frankreich traten ihm
jetzt nicht nur durch Begünstigung der antirussischen Parteiungen
in Polen, sondern noch mehr, und so namentlich Frankreich,
mit dem alten Mittel der Aufstachelung der Türken
entgegen. Am Goldenen Horn beschloß man daher im
Oktober 1768 wieder einmal einen Krieg gegen Rußland; und
zugleich näherten sich jetzt Frankreich und sterreich wiederum
Preußen, um durch engere Beziehungen zu ihm die russische
Initiative in Polen und nun auch gegen die Türkei zu schwächen.
Allein König Friedrich ließ sich dadurch nicht irre machen.
Da der Bündnisfall klar vorlag, so zahlte er an Rußland die
im Jahre 1764 ausbedungenen Subsidien für den Türkenkrieg
mit 400 000 Rubeln jährlich, und bei der Erneuerung des Ver—
trages, die eben jetzt vorgenommen werden mußte — sie er—
folgte am 23. Oktober 1769 unter Verlängerung des Bündnisses
bis Ende März 1780 — bedang er sich nur geringe neue
Vorteile aus: der Hauptsache nach nur die Anerkennung der
juristisch nicht zweifelhaften Erbansprüche seines Hauses in
Ansbach-Baireuth.
Inzwischen waren aber die Türken durch die Russen im
Kriege so in die Enge getrieben worden, daß die Pforte, 1770,
die Vermittlung sterreichs und Preußens anrief. Es war
seitens der Pforte ein kluger Schritt, denn gerade in dieser
Zeit hatte in den engeren Gleisen der deutschen Reichspolitik
eine Annäherung der beiden Mächte stattgefunden, die sogar
zu persönlichen Besuchen der Herrscher führte!: und diese
Annäherung zweier Mächte, die bisher für unversöhnlich ge—
golten hatten, machte alsbald in Petersburg Eindruck. Denn
konnte unter ihren Wirkungen Preußen noch so ganz im bis—
jerigen Zusammenhange der russischen Politik bleiben?
Den deutschen Monarchenzusammenkünften wurde von
S. unten S. 813f.