Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 437 
Albrecht von Brandenburg in ein evangelisches Herzogtum 
Preußen verwandelt worden war. Nunmehr, nach dem Aus— 
sterben des herzoglichen Hauses, ging das Land an Branden-⸗ 
burg über. War es da nicht die Aufgabe, von diesem Boden 
aus, der die drei Hafenplätze Pillau, Königsberg und Memel 
aufwies, in die baltischen Dinge einzugreifen, womöglich unter 
Abstreifung des Lehensverbandes gegenüber dem seeuntüchtigen 
und den mannigfachsten Schwankungen seiner inneren Politik 
ausgesetzten polnischen Reiche? 
Aber auf dem Kurstuhle saß kein Mann, der die in der 
neuen Lage gegebenen Aufforderungen beachtet hätte. Georg 
Wilhelm (1619—1640) ist wohl einer der schwächsten hohen— 
zollernschen Kurfürsten gewesen; zudem verfiel er schließlich der 
Herrschaft eines für sein Land und seine Interessen höchst sonder— 
baren Beraters, des katholischen Grafen Adam von Schwartzen— 
berg. So wurde er während des Dreißigjährigen Krieges an die 
Seite des Kaisers gedrängt, bei dem konservativ-schüchterne 
Politik in dieser Zeit allerwegen gern Schutz suchte, und zerfiel 
darüber mit der protestantischen Schutzmacht des Nordostens, 
mit Schweden: furchtbar litt darum das brandenburgische 
Stammland unter den Leiden des Krieges. 
Konnte es unter diesen Umständen gelingen, eine dritte 
Erbschaft, die während des Krieges eintrat, zu sichern? Im 
Jahre 1637 starb das einheimische Herrschergeschlecht Pommerns 
aus, und Brandenburg hatte ein wenigstens von ihm selbst 
als zweifellos betrachtetes Erbrecht. Um es gegen Schweden 
zu behaupten, dem Pommern mit Stettin und der Odermündung 
die wichtigste Operationsgrundlage in Deutschland darbot, zog 
jetzt der Kurfürst vom Leder; es ist im Grunde die größte 
Aktion seines Lebens gewesen. Aber er scheiterte jämmerlich. 
Sein Soldheer lief während des Feldzuges auseinander; und 
sein Heimatsland wie sein ersehntes Erbland fielen unter die 
zuchtlos gewordenen Banden. 
Das waren die Verhältnisse, unter denen der zwanzig— 
jährige Sohn des Kurfürsten, Friedrich Wilhelm, der Große 
Kurfürst, im Jahre 1640 die Herrschaft antrat. Ein anscheinend
	        
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