Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

158 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
es hat nicht eben viel von sich hören lassen. Daneben aber war 
im Dezember 1654 ein anderes Bündnis zwischen dem Kur—⸗ 
fürsten von Trier und Köln, dem Pfalzgrafen von Neuburg 
und dem Bischof von Münster vereinbart worden. Es war 
zunächst auch nur von regionaler Bedeutung. Anders dagegen 
wurde die Lage, als der Kurfürst Johann Philipp von Mainz 
diesem Bunde beitrat und im August 1655 die Verschmelzung 
der beiden bisher genannten Bünde durchsetzte. 
Johann Philipp erneuerte in seiner Person die kraft⸗ 
vollsten Traditionen der alten kurmainzischen Politik. Schon 
seit dem 18. Jahrhundert hatten sich die Kurerzkanzler als 
die gegebenen geistlichen Vormünder und auch als die welt— 
lichen Fürsorger des Reiches betrachtet; wie viel deutsche Könige 
sind nicht von Inhabern des Mainzer Stuhls gemacht oder 
wenigstens vornehmlich promoviert worden! Man überschaue 
die große Anzahl energischer Persönlichkeiten auf dem Kur— 
stuhl überhaupt in der langen Reihe hervorragender erz— 
bischöflicher Grabdenkmäler, die einen bezeichnenden Schmuck 
des Mainzer Domes bilden, und man wird verstehen, was 
diese Politik bedeutete. Außer der besonderen Tätigkeit bei 
den Königswahlen und nicht selten mit ihr verknüpft pflegten 
die Mainzer Kurfürsten aber besonders auch die Sorge für die 
Fortentwicklung der Reichsverfassung auf sich zu nehmen, und 
viele von ihnen sind in dieser Richtung mit einer patriotischen 
Aufopferung tätig gewesen, welche die Wahrung eigener Inter⸗ 
essen nicht ausschloß. 
An die Reihe dieser Vorgänger an der Kur schließt sich 
Johann Philipp von Schönborn als einer der tüchtigsten Spät— 
linge, und diesen Vorbildern folgend ergriff er auch die Sache des 
cheinischen Bundes als eine Sache des Reiches. So begnügte 
er sich nicht mit der Ausdehnung, die die Fusion dem Bunde 
gegeben hatte; es suchte ihr auch die sogenannte Hildes— 
heimer Allianz vom Jahre 1652 einzufügen, welche den Land⸗ 
grafen von Hessen-Kassel, die drei braunschweigischen Herzöge 
und den König von Schweden als Reichsstand für Bremen 
und Verden umschloß, ja er sondierte bei Württemberg, Bayern
	        
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