Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 459
und Brandenburg und selbst bei den Niederlanden, deren Staaten
sich die deutschen Gesandten mit dem Motiv Non tantum vi—
eini sed etiam gens una sumus näherten.
Es waren Bestrebungen, die, an sich zum Teil wenig
aussich tsvoll, in dem Augenblicke eine andere Bedeutung er—
hielten, als sich in ihnen mit dem Programme der bloßen
Friedenswahrung ein anderes Motiv, das der Stärkung oder
mindestens möglichsten Fortbildung der Reichsverfassung in dem
Sinne, wie die Fürsten das Wort verstanden, verknüpfte. Und
dieser Moment trat im Jahre 1657 ein.
Im Jahre 1654 war Kaiser Ferdinands III. ältester Sohn,
der ein Jahr zuvor zum römischen König gewählt worden war,
gestorben. Von da ab begannen innerhalb und auch außer—
halb des Reiches die Sorgen, wer wohl der Nachfolger Ferdi⸗
nands III. werden solle; und von Frankreich her besonders
war man eifrig, wenn auch schließlich ohne Erfolg, bemüht,
der habsburgischen halben Anwartschaft eine bayrische Kandi—
datur entgegenzustellen. Das vornehmste Motiv hierfür war
in dem Umstande zu suchen, daß das österreichische Haus der
Habsburger, gegen den Geist wie die deutlichen Bestimmungen
des Westfälischen Friedens wie in Mißachtung der Interessen
des Reiches, Spanien in seinem auch von den südlichen Nieder⸗
landen her gegen Frankreich geführten Kampfe unterstützte.
Am 2. April 1657 starb Kaiser Ferdinand III., erst neun—
undvierzigiährig: und sein Tod eröffnete nun all diese Fragen
der Reichsnachfolge plötzlich im umfassendsten Sinne, so daß
sich die deutschen Fürsten ihnen nicht entziehen konnten, und
stellte bald Johann Philipp seiner Absicht wie der Tat nach
in den Mittelpunkt weitreichender Verhandlungen.
Zwar stand bald fest, daß der Nachfolger Ferdinands am
österreichischen Erbe, der junge Erzherzog Leopold, auch sein
Nachfolger an der Kaiserkrone sein werde: von den weltlichen
Kurfürsten folgte Johann Georg von Sachsen nur dem Her⸗
kommen seines Hauses, wenn er für einen Habsburger eintrat,
und war der Große Kurfürst, jetzt eben mit Ofterreich und
Polen im Kampfe gegen Schweden begriffen, damit ohne