Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

462 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
der Ruhmestaten des Sonnenkönigs eine der schönsten Re— 
naissancen Westeuropas zu zeitigen. Sollte da nun einem so 
harmonischen Entwicklungsverlaufe der inneren Kräfte der 
äußere Erfolg fehlen? Noch im Dreißigjährigen Kriege hatten 
es Strategie und Taktik der Franzosen mit denen der Schweden 
und Deutschen nicht aufnehmen können. Jetzt nahen die 
großen Zeiten des französischen Heerwesens. Und die Diplo— 
matie hatte schon Richelien auf eine von anderen Völkern un— 
erreichte Höhe gehoben; nun aber verfeinerte sie Mazarin noch, 
und auch im 18. Jahrhundert noch galt sie als allen anderen 
überlegen. Mit der Entwicklung der Angriffs- und Schutz⸗ 
organe des Staates nach außen aber lief der schönste Auf— 
schwung der inneren politischen und wirtschaftlichen Organi— 
sation parallel: der Merkantilismus erhielt seine klassische Aus— 
bildung in Colbert. 
Da war denn freilich, wenn diese Macht sich gegen die 
schwachen und zerstückelten Grenzen des Reiches und im Grunde 
damit gegen das Haus Habsburg in Bewegung setzte, der Er⸗ 
folg von vornherein so gut wie sicher. Man machte darum 
auch in Frankreich aus seinen Absichten kaum ein Hehl. Offen 
wurde ausgesprochen, daß auch nur das Symbol einer euro⸗ 
päischen Vorherrschaft in der Kaiserkrone den Deutschen nicht 
mehr zukomme; fränkisch sei die Krone Karls des Großen ge⸗— 
wesen und Frankreichs Herrscherhaus darum ihr berechtigter 
Träger: justes prétentions du roi sur PEmpire hat d'Aubery 
in einer Aufsehen erregenden Broschüre im Jahre 1667 als 
oorhanden behauptet. Und was wollte es besagen, wenn ihm 
der österreichische Diplomat Franz von Lisola in einer wenn 
auch noch so glänzenden Widerlegung, in dem Bouclier d'état 
et de justice, antwortete? 
Die Art aber, in der Frankreichs junger Monarch, Lud⸗ 
wig XIV., gegen das Haus Habsburg und gegen das Reich 
vorging, wurde in sehr eigenartiger Weise durch seine persön— 
lichen Beziehungen bestimmt. Der schwache Habsburger auf 
dem spanischen Throne, Philipp IV., den man für den letzten 
seines Stammes hielt, hatte nur zwei Töchter, Maria Theresia
	        
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