Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. KNrieges. 461 
zu erweitern — denn für Frankreich konnte eine allzu kräftige 
Ausgestaltung eine Gefahr werden —, bis zum Jahr 1668 fort⸗ 
gewährt, zuletzt, ohne noch viel beachtet zu werden. 
Denn bald schwang sich Frankreich selbständig, nicht zum 
wenigsten über den Bund hinweg, zur stärksten Beeinflussung 
des deutschen Westens auf, so daß es deutscher Unterstützung 
fast nicht mehr bedurfte. Der entscheidende Augenblick für 
diese Wandlung kam mit dem Pyrendischen Frieden vom 
7. November 1659, der den langen und hartnäckig geführten 
Krieg mit Spanien beendete. Denn dieser Friede brachte 
Frankreich durch bedeutsame Abtretungen und Zugeständnisse 
an der südniederländischen Grenze sowie in Luxemburg und 
Lothringen in immer bedrohlichere Nähe schon der rheinischen 
Kernlande des Reiches; und ermöglichte ihm dadurch, daß er eine 
Bestätigung seiner im Westfälischen Frieden so unklar formu— 
lierten Ansprüche im Elsaß aussprach, schon direkte Angriffe 
und Eingriffe am Oberrhein. Und so war er im Grunde 
nicht bloß ein Markstein in der Geschichte der spanischen Welt— 
macht; er bezeichnete zugleich eine Beschränkung der Reichs— 
gewalt und damit der österreichis chen Vormacht in Deutschland; 
in beiden Sitzen seiner Herrschaft wurde das Haus Habsburg 
durch ihn getroffen, und glänzend stieg aus seinen Verhand— 
lungen der Staat der Bourbonen empor. 
Es war im Grunde nur das Ergebnis der langen Jahr⸗ 
—D monarchischer Konzentration und der zwei bis drei 
Generationen hindurch schon währenden Ansammlung seiner 
geistigen und politischen wie militärischen Kräfte, das Frank⸗ 
reich jetzt zufiel. Wie früh war auf diesem Boden schon eine 
stehende Truppe und mit ihr ein steigender Absolutismus des 
Königs entwickelt worden! Und wie sehr hatte sich die Nation, 
durch alle Wirren der Konfessionskämpfe der zweiten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts hindurch, in diese Form gefunden! 
Und keineswegs hatte sie dadurch die Fortschritte jenes geistigen 
Lebens beeinträchtigt oder gar unterdrückt gefühlt, das schon 
im 16. Jahrhundert frei und mächtig emporgeblüht war, um 
dann unter dem Schutze großer Minister und nun im Schatten 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 2. 20
	        
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