Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 47]
in dieser Richtung unerwartet, die französische Armee auf
deutschem Reichsboden rechts und links des Rheines über
das brandenburgische Kleve nach den Staaten; nichts hielt sie
in der allgemeinen Verwirrung, die sie fast überall vorfand,
auf; Utrecht wurde ohne viel Widerstand passiert; direkt zielte
man auf die Provinz Holland, das Herz des Feindes; und
auch ein heißer Kampf zur See, in welchem De Ruyter den
alten Ruhm der niederländischen Flotte wahrte, änderte fast
nichts an dem Fortschreiten des Unglücks. Der Krieg schien
der Hauptsache nach beendet, im August kehrte König Lud—
wig, der den Feldzug mitgemacht hatte, triumphierend nach
Frankreich heim.
Und auch der Hilfe des Brandenburgers gingen die Staaten
verlustig. Der Große Kurfürst hatte sich inzwischen durch
Bündnisverhandlungen seinerseits zu stärken gesucht: und er
hatte schließlich in Wien Erfolg gehabt (Juni 1672). Nicht
als ob der Kaiser durch ein Bündnis mit Brandenburg seinen
Neutralitätsvertrag mit Frankreich gegenüber dem niederländi⸗—
schen Kriege zu brechen geglaubt hätte. Was den Kaiser nur
schmerzte und was er zu verhindern sich verpflichtet hielt, das
war die Verletzung des Reichsfriedens durch die Franzosen
und wohl auch noch mindestens die allzu eifrige und direkte
Teilnahme deutscher Reichsstände am Kampfe. Und etwa in
diesem Sinne und zur Wahrung dieser Interessen schloß er
mit dem Brandenburger ab.
Nun war aber klar, daß damit im Grunde das Bündnis
des Großen Kurfürsten mit den Generalstaaten gelähmt werden
mußte. Denn es sah das frische und voraussetzungslose Ein—
treten des Kurfürsten für die niederländische Sache vor. Aber
die kaiserliche Auffassung überwog, als endlich, spät genug,
Kaiser und Kurfürst ein Heer auf die Beine brachten. Lang—
sam bewegte dieses sich dem Niederrhein zu, langsam bog es
dor seinem strategischen Bestimmungsorte Köln nach Süden
um, kam, es ist schwer zu sehen, zu welchem unmittelbaren
Unterstützungszwecke der Niederländer, schließlich in der Gegend
von Frankfurt an, ging über den Main, wandelte nach West—⸗