472 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
falen zurück, ließ sih — inzwischen war es Januar 1678 ge—
worden — von Turenne leise weiter nach Osten hin man—
öprieren: — und gab endlich, Mitte Februar, auch noch das
Marschieren auf. Und in dem Entschlusse, überhaupt nichts
mehr zu tun, waren jetzt der kaiserliche General und der Große
Kurfürst einig.
Was war inzwischen geschehen? Oder was drohte?
Der Große Kurfürst, des Treibens müde, war mit sich
einig geworden, den Kampf aufzugeben — und sich mit den
Franzosen zu verständigen. Am 6. Juni 1673 kam zu Vossem ein
Friedensvertrag zwischen Brandenburg und Frankreich und
England sowie Köln und Münster zustande — mit den letzteren,
ohne daß sie von König Ludwig befragt worden waren. In
diesem Vertrage wurde der Zustand vor dem Kriege wieder—
hergestellt und außer einigen anderen Bedingungen vom Kur—
fürsten die Zahlung von 800000 Livres erreicht, von denen
300 000 alsbald, 500 000 im Verlaufe des nächsten Jahr—
fünfts zu berichtigen waren; zudem behielt sich der Kurfürst freie
Hand für seine Politik vor, falls er selbst oder falls das Reich
angegriffen werden sollte.
Es war ein trauriger Ausgang: und die Niederlande
schienen nun allein zu stehen.
Allein inzwischen waren längst Ereignisse eingetreten, die
dem Stand der Dinge ein ganz anderes Antlitz gaben; beinah
unzeitgemäß konnte ihnen gegenüber, wenn seinem Geiste nach
verstanden, der Separatfriede von Vossem erscheinen.
Vor allem hatte sich herausgestellt, daß mit der raschen
Durchquerung großer Teile der Niederlande durch die Fran—
zosen das Werk dieses Krieges noch lange nicht getan war.
Denn die Niederländer wandten jetzt erst das Hauptverteidigungs⸗
mittel ihres Landes gegen schon eingedrungene Feinde, die
Überschwemmung durch Kanalwasser, an, und der Krieg kam
zum Stillstand. Noch mehr aber bedeutete es fast, daß, mitten
während der ersten Kämpfe, eine innerhalb der niederländischen
Verfassungsverhältnisse schon längst erwartete Revolution ein—
getreten war, die beinah als Vorbedingung des Sieges erscheinen