474 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
fahrenen Montecuccoli in Süddeutschland, manövrierte Turenne,
der ihr an Tauber und Main entgegentrat, aus dem rechts⸗
rheinischen Deutschland heraus und ging dann nach Norden,
um Verbindung mit einer niederländisch-spanischen Armee unter
Wilhelm von Oranien zu suchen. Die Vereinigung wurde
Anfang November glücklich bewerkstelligt; am 12. November
mußte Bonn kapitulieren, die Residenz des Kölner Kurfürsten,
der seine französischen Freunde vergeblich um Hilfe bat. Viel⸗
mehr sahen sich die Franzosen nun gezwungen, auch die nörd⸗
lichen Niederlande aufzugeben: unbestritten war der Erfolg
der Koalition gegen Schluß des Jahres.
Und wie versagten jetzt die deutschen Bundesgenossen
Frankreichs, jene guten Freunde, die schließlich doch nur durch
Geld, das allmächtige Mittel des Sonnenkönigs gegenüber dem
armen Deutschland, gewonnen worden waren. Der Bischof
von Münster dirigierte seine 10000 Mann unmittelbar von
der französischen Seite auf die der Koalition; der Kurfürst
von Köln fiel ab; schon früher hatte, Februar 1674, auch
England seinen Frieden mit den Niederlanden gemacht. Um
aber von Deutschland weiter zu sprechen, so schlossen sich dem
Kaiser auch der nach Schönborns Tode gewählte neue Mainzer
Kurfürst, so wie Pfalz und Trier und die braunschweigischen
Fürsten mit Ausnahme von Johann Friedrich von Hannover
an: und am 24. Mai 1674 wurde, ein fast unglaubliches Er—
eignis, in Regensburg der Reichskrieg gegen Frankreich be—
schlossen.
Abseits standen jetzt außer den hannoverschen Welfen nur
noch Bayern und Brandenburg. Aber man durfte erwarten,
daß der Große Kurfürst, der für sein unverhältnismäßig großes
Heer ein Feld der Tätigkeit haben mußte, sich schon noch ein⸗—
stellen werde; ohne daß man sich viel um ihn bemüht hätte,
wurde in der Tat am 1. Juli mit ihm ein Offensivbündnis
gegen Frankreich geschlossen, das ihn zur Infeldstellung von
16000 Mann verpflichtete.
Inzwischen hatte der neue Feldzug des Jahres 1674 schon
begonnen. Im Februar waren die Franzosen in die Pfalz