Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
Florentinern und Genuesen, dank ihren engeren Beziehungen 
zu dem neu befruchteten europäischen Westen, im hellsten Glanze 
der allgemeinen Handelsentwicklung zugrunde gegangen sind. 
In Oberdeutschland hatte eine Anzahl von Handelshäusern 
schon im 15. Jahrhundert mit steigendem Reichtum die alte 
Bahn des mühsamen, aber soliden Warenhandels verlassen, 
dessen Mittelpunkt damals Venedig war. Sie hatten sich zu⸗ 
erst auf Kapitalgeschäfte und den Silberbergbau in Tirol ge— 
worfen: so seit Mitte des 15. Jahrhunderts; sie nahmen aber 
auch am sächsischen Silberbergbau teil und reichten mit ihrem 
Einflusse noch weiter nach Thüringen, Böhmen, Ungarn. Es 
war eine im einzelnen höchst lehrreiche Form primitiven Unter— 
nehmertums. 
Aber bald wurde ein für diese Zeit noch bedenklicherer Ab⸗ 
weg eingeschlagen. Angehörige großer Kaufmannsgeschlechter 
nahmen wohl Hofdienste bei einem großen Herrn und liehen 
ihm; eine solche Stellung hat z. B. Hans von Stetten bei 
Kaiser Max J. gehabt. Lag es da nicht nahe, da ein eigent⸗ 
licher Staatskredit noch nicht vorhanden war, durch ständiges 
Leihen an große Herren, die meist enorme Zinsen zahlten, be⸗ 
sonders gewinnreiche Geschäfte zu machen? Und schon das zweite 
Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts brachte in diefer Hinsicht in 
der Wahl Karls V., deren außerordentliche Kosten zum größten 
Teil durch deutsche Häuser finanziert wurden, ein glänzendes 
Geschäft; und diesem folgten bei der Geldbedürftigkeit Karls 
in den Kriegen gegen Franz J. nicht minder günstige Gelegen⸗ 
heiten. Zwar stellte man gegenüber diesen Geschäften bald die 
Maxime auf Nolite confideére in principibus: doch sah man sich 
krotzdem binnen kurzem soweit hineingezogen, daß ein rettender 
Ausweg nicht mehr möglich war. Und so hat denn 3. B. von 
allen großen Nurnbergern Geldhäusern des 16. Jahrhunderts 
eigentlich nur eins sich von den hochverzinslichen, aber gefähr⸗ 
lichen Anlerhen der großen Potentaten grundsätzlich fern ge— 
halten: das noch heute blühende Haus der Tucher. 
Allein längst ehe man recht in die neuen fürstlichen Be— 
ziehungen hineingewachsen war, hatte sich dem deutschen Handel
	        
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