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Sweiundzwanzigstes Buch.
Es ist der Zusammenhang, in dem die ersten beiden großen
mitteleuropäischen Börsen zur Höhe ihrer Entwicklung gelangt
sind, Antwerpen für Spanien und England, Lyon für Frank—
reich. Auf ihnen war die in Antwerpen seit alters her aus
der niederländischen Entwicklung abgeleitete, in Lyon durch
das franzöfische Königtum gewährleistete volle Handels- und
Verkehrsfreiheit eine Triebkraft, die alle Kapitalien und Kapita—
listen anzog: und sie wirkte damit, eine Ausnahme im 16. Jahr⸗
hundert, im Verhältnis noch stärker als die großartigen, den
Raum teilweise fast aufhebenden Verkehrsverbesserungen des
9. Jahrhunderts.
Von diesen beiden Börsen hat nun Lyon verhältnismäßig
erst spät und niemals in dem Umfange wie Antwerpen deutsche
Kapitalien aufgenommen; im Vordergrunde stand Antwerpen.
Das Besondere der Kaufmannschaft Antwerpens war es wohl
von jeher gewesen, daß sie eigentlich keinen großen Eigenhandel
hatte, wie sie auch wenig Reederei trieb. Ihre Bedeutung beruhte
oielmehr darauf, daß sich hier vermöge der völligen Freiheit
des Handels zum erstenmal jene Entwicklung vom Stapelverkehr
zum Börsenverkehr vollzog, die den Übergang vom mittel—
alterlichen zum modernen Handel kennzeichnet. Dementsprechend
erfloß der Hauptgewinn der Handeltreibenden aus Bewirtungsund
Maklergeschäften, aus dem Bankgeschäft und einem Handel,
der sich nur dem Binnenlande zu interlokal zu einem Groß—
hJandel entfaltete. Vor allem aber war die Stadt der erste
große Platz in Europa, auf dem die Vertreter aller Kapital—
mächte zusammenströmten, um Geldgeschäfte zu machen, unter
ihnen an erster Stelle die reichsten Angehörigen der absterbenden
kapitalreichen Handelsvölker, der Italiener und der Ober—
deutschen. Von ihnen verlegten viele geradezu ihr Haupt—
geschäft hierher; andere hatten hier wenigstens Vertreter. Um
welche Kapitalien es sich dabei handelte, soweit die Deutschen
in Betracht kamen, ergibt sich z. B. aus den Angaben eines
venetianischen Botschafters, der 1548 den Reichtum der Fugger
auf 4 Millionen Gulden, den der Welser und Paumgartner
auf 223 Millionen veranschlagte. Und wie neuere Forschungen