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Zweiundzwanzigstes Buch.
im 15. Jahrhundert zur Manufaktur über; so vor allem in
den Hansestädten mit ihren verhältnismäßig leicht zu er—
obernden und zu bewältigenden großen Ausfuhrgebieten die
Böttcherei, die Paternostermacherei, die Kannengießerei, die
Goldschmiederei, die Seilerei, sogar die Schneiderei und Schuh—
macherei; und in den oberdeutschen Städten, z. B. in Ulm,
Augsburg und St. Gallen, manche verwandte Gewerbe.
Gleichzeitig aber begann sich jetzt eine andere Art der
Manufaktur stärker zu entwickeln, die in den ersten Anfängen
auch schon bis in frühe Zeiten zurückreicht: eine Manufaktur,
die unabhängig von der herkömmlichen gewerblichen Betriebs—
form der Zunft emporwuchs. Sie lief darauf hinaus, daß
bürgerliche Kapitalisten in freier Form, unabhängig von der
Zunftorganisation, Arbeitskräfte für gewisse von ihnen be—
absichtigte Manufakturen anwarben: und so führte sie zu den
Ursprüngen zugleich des heutigen vierten Standes.
In die Reihen der Unternehmer dieser Manufaktur ge—
hören in den frühesten Zeiten die Papierer — so in Nürnberg
Ulman Stromer, schon gegen Ende 14. Jahrhunderts — und
die Buchdrucker und, Buchverleger: überhaupt Vertreter von
Gewerben, die unter Anwendung eines für die Zeit sehr
hedeutenden maschinellen Werkzeuges betrieben wurden. Im
16. Jahrhundert wuchs dann die Neigung zur Entwicklung solcher
freieren Manufakturen beträchtlich; und in manchen Städten
namentlich der westlichen und südlichen Grenzlande wurde sie
unter dem Einflusse italienischer und französischer Religions—
flüchtlinge besonders gefördert, da diese das neue System von
ihrer Heimat her kannten und vielfach mit dem nötigen Kapitale,
es auf deutschem Boden einzuführen, versehen waren.
Die Folge war, daß eine ganze Anzahl bisher mehr
zünftiger Hausindustrien allmählich der Einwirkung dieser
Betriebsform verfiel. In welcher Art, das zeigt sich vielleicht
am schlagendsten bei der Seidenindustrie, die von jeher ver—
möge des hohen Wertes ihres Rohstoffes, der feinen Technik,
des geringen Gewichtes ihrer Erzeugnisse und des aristokratischen
Charakters ihrer Abnehmer eine Ausfuhrindustrie ersten Ranges