Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
Im oberrheinischen Lande insonderheit, wo sich, vor— 
nehmlich wiederum auf schweizerischem Gebiete, die Entwicklung 
vielleicht am ungestörtesten vollzog, traten zu den Papierer— 
und Druckerknechten schon spätestens um die Mitte des 
— 
zösische und italienische Refugianten, einheimische bäuerliche 
Kräfte, Gesellen aus den Städten, welche aufs Land zogen 
und dort heirateten und sich selbständig machten; und später 
hört man geradezu von einer „freien uneingeschränkten löb⸗ 
lichen Manufaktur“ sowohl des platten Landes wie der Stadt, 
die teilweise von „Weibspersonen und Maidlin ab dem Lande“ 
hetrieben wird. 
Am frühesten zog dabei anscheinend das Stricken auf das 
Land; schon Ende des 16. Jahrhunderts klagen in diesem 
Gewerbe die Zünfte der Städte Basel, Straßburg, Freiburg, 
Breisach über unleidlichen Wettbewerb. Dann folgte im 
17. Jahrhundert die Bandweberei, die Passementmacherei, 
überhaupt die Textilindustrie, die Färberei, die Strumpf⸗ 
fabrikation, vor allem seit Aufkommen der seidenen Strümpfe 
(ca. 1680), die Herstellung lederner Handschuhe, die Tabak— 
industrie und die Knopfmacherei. Es waren Industrien, die 
jetzt in gleich freier Weise in Stadt und Land getrieben 
wurden, und die im kleinen auf sozialem Gebiete schon die 
heutigen Verhältnisse des vierten Standes hervorriefen!. 
Wir haben den Entwicklungsprozeß der Manufaktur bis 
zu einer Stufe verfolgt, die schon völlig modern anmutet; 
in dieser Höhe ist er im engeren Deutschland selbst im Laufe 
des 17. Jahrhunderts erst an wenigen, besonders begünstigten 
Stellen, z. B. in Kursachsen, eingetreten. Kehren wir aber 
ins 16. Zahrhundert zurück, so konnte doch darüber kaum ein 
So klagen z. B. schon im Jahre 1687 hausindustrielle Meister 
um Basel gelegentlich einer Geschäftsstockung: „Während die Kaufherren 
selbst die Ursache sind, daß unser so viele sind, so geben fie uns doch viel 
zu wenig Arbeit und noch schlechteren Lohn. Früher haben wir ihnen 
kaum genug arbeiten können, jetzt aber sehen sie uns über die Achsel an, 
lassen uns am Hungertuche nagen und müßig gehen.“
	        
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