Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
trotzdem die Bevölkerung während des großen Krieges nicht 
merheblich und blieb auch von der Einquartierung fremder 
Soldateska verschont: so daß sich trotz mancher Verluste wäh⸗ 
rend des Krieges auch der Ertrag der Vermögenssteuer beinahe 
verdoppelte. Günstig war ferner für Hamburg, daß Schweden 
im westfälischen Frieden das Herzogtum Bremen und damit 
das linke Elbufer erhielt. Denn das rechte Elbufer besaß 
Dänemark: und so wurden beide nordischen Mächte an der 
Elbmündung zu Rivalen, zwischen denen Hamburg, der Haupt⸗ 
sache nach in freundlicherem Verhältnis zu Schweden, von 
nun ab geschickt hindurchzusteuern wußte. In der Tat wurde 
es von nun ab, da das Reich sich immer unfähiger zeigte, für 
die Nordseestädte und deren Handel auch nur das Geringste 
zu tun, die Politik Hamburgs, sich unabhängig vom Reiche in 
stiller Neutralität zwischen den Konflikten beider nordischen 
Mächte und der Großmächte überhaupt, womöglich noch unter 
ständigem eigenen Handelsgewinne, hindurchzuwinden. Es war 
aatürlich auch die Politik der anderen, wenigen, übriggebliebenen 
Zansestädte. Und so ist es charakteristisch, daß schon im 16. Jahr⸗ 
hundert die moderne Geschichte der Neutralität und deren völker⸗ 
rechtliche Erörterung damit begann, daß die Hansestädte, unter 
denen damals Hamburg schon die wichtigste war, in dem 
Kampfe der Königin Elisabeth gegen Philipp II. den Anspruch 
erhoben, mit Spanien nach wie vor Handel zu treiben, während 
England dies für Kriegsbedürfnisse verneinte; wobei es zu diesen 
u. a. auch Korn und Lebensmittel rechnete. Hamburg aber hat 
dann in den Kämpfen des 17. und 18. Jahrhunderts in der 
Tat fast immer seine Neutralität zu erhalten gewußt, da alle 
Mächte es zu schonen ziemlich gleichmäßig veranlaßt waren. 
Die Folge war, daß es in den großen Kriegen der Seemächte 
von den Jahren 1689 und 1706 ab die besten Geschäfte an 
sich zog, so daß es von dieser Zeit an als kontinentaler 
Nordseehafen eine nahezu monopolistische Stellung einzunehmen 
begann. 
Gleichzeitig aber stellte sich bis zu dieser Zeit unbeschadet 
des englischen Verkehrs besonders auch ein immer besseres
	        
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